Von Veit Mölter

Italien ist das Land der leeren Bauernhöfe. Allein in der Toskana gibt es 25 000 rustikale Häuser, die nicht mehr bewohnt werden. Um wieder Leben in die landschaftlich reizvollen Zonen zu bringen, bsmühen sich italienische Behörden, diese Anwesen als Ferienhäuser für Städter billig zu verkaufen. Besonders geschätzt als Kunden sind Ausländer – nicht nur wegen ihres Geldbeutels, sondern auch, weil sie meist Verständnis für die architektonische Besonderheit des erworbenen Gemäuers aufbringen.

Wie aber kauft man sich einen dieser Landsitze? Was kostet er? Welche Formalitäten sind zu erfüllen?

Vor allem sind Illusionen auszuräumen. Verschenkt wird nichts. Auch in Italien weiß man heute genau, was Häuser, Grund und Boden wert sind. Wer sich zwischen Brenner und Sizilien einen Landsitz zulegen will, muß mindestens 60 000 Mark in der Tasche haben. Für ein einfaches Bauernhaus mit einem Stückchen Land werden ab 20 000 Mark verlangt. Liegt das Angebot unter diesen Preisen, so steckt wahrscheinlich ein Pferdefuß dahinter: Entweder liegt das Anwesen weitab von jeglicher Zivilisation und Asphaltstraße, oder es ist in einem jämmerlichen Zustand.

Mit dem Kaufpreis ist es gewöhnlich nicht getan. Die Bauernhöfe stehen oft schon seit Jahren leer und müssen renoviert werden. Oder es fehlt das elektrische Licht, und das Wasser muß auf mittelalterliche Manier mit einem Eimer aus dem Brunnen gezogen werden. Oder die Straße ist unbrauchbar geworden. Der Katalog der möglichen Sorgen ließe sich beliebig fortsetzen.

Als in deutschen Blättern die ersten verlockenden Angebote publiziert wurden, fühlten sich vor allem die Romantiker gerufen. Sie setzten sich hin und schrieben Briefe. „Besorgen Sie uns bitte ein Haus, das mit Nußbäumen umstanden ist...“ „Wir möchten einen Bauernhof am Meer mit offenem Kamin ...“ – Schreiben solchen Inhalts erreichten die „Agriturist“-Zentrale in der Toskana in der Florentiner Via Tornabuoni 15. Diese vor kurzem gebildete Vereinigung („Associazione per Agricoltura e Turismo“) vermittelt ohne Aufschlag Bauernhäuser. Sie vermittelt jedoch nicht – wie ein großes deutsches Nachrichtenmagazin irrtümlicherweise schrieb – Kredite.

Der Sekretär der Gesellschaft, Gerado Frassineto, freut sich über das Interesse der deutschen Städter an der italienischen Campagna. „Dem Boom der Ferienwohnung in einem Neubau am Meer wird bald der Boom des Landgutes folgen“, meint er optimistisch.