Nach dem Turnier in London: Amerikas Reiter sind Favoriten

Von Max E. Ammann

Anläßlich des Europatrips 1962 der amerikanischen Springreiter, die damals den Nationenpreis in Aachen gewannen, hörte man zum ersten Male von Gladstone. Vier Jahre später, als die Amerikaner wieder nach Europa kamen, den Aachener Nationenpreis zwar knapp verloren, dafür aber am erfolgreichsten abschnitten, wurde Gladstone endgültig zu einem neuen Wort im Vokabular der Reiter. Gladstone schien das Geheimnis der amerikanischen Spitzenstellung im internationalen Reitsport zu sein, und der Gladstone-Stil wurde die Bezeichnung für das ruhige, konzentrierte und formschöne Reiten, das die ganze USA-Equipe demonstriert. Was ist Gladstone?

Gladstone ist ein kleines Dorf von knapp 2000 Einwohnern. Es liegt in New Jersey, etwa 100 km westlich von New York entfernt. Aber das Dorf hat mit den amerikanischen Reitern nur wenig zu tun. Diese sind einige Kilometer entfernt auf der Hamilton-Farm zu Hause. Dort, inmitten eines der schönsten Reitgelände, das man sich vorstellen kann, befindet sich seit Anfang 1961 das Trainingszentrum des United States Equestrian Team Inc. (USET).

Die Hamilton-Farm

Die Hamilton-Farm war in den ersten Jahrzehnten dieses Jahrhunderts das Heim der berühmten Hamilton-Farm-Hackney-Ponys gewesen. Nach dem Tode des Besitzers im Jahre 1929 stand die Farm leer, in den Kriegs Jahren diente sie als Armeekrankenhaus. 1960 stießen die Leute von USET auf das verlassene Gut und konnten es Anfang 1961 übernehmen.

Das Farmgebäude enthält in zwei Stockwerken Stallungen für 50 Pferde sowie Büro- und Wohnräume. Neben dem Haus befinden sich ein kleiner Trainingsplatz, ein Springgarten sowie eine gedeckte Reithalle, die im September 1962 eingeweiht wurde. Zur Farm gehört auch genügend Reitgelände, auf dem alle Jahre eine Military durchgeführt wird. Gladstone, oder besser gesagt die Hamilton-Farm, bietet also beinahe perfekte äußere Voraussetzungen, um Spring- und Militaryreiter heranzubilden und vorzubereiten.