Die Illusion ist beinahe perfekt: Zur Linken fällt der Blick auf das Wolkenkratzergebirge Manhattans, will sagen, auf ein Großphoto Manhattans, das vom Fußboden bis zur Decke reicht. Zur Rechten leuchten auf einer etwa vier Meter langen elektronischen Übertragungsanlage die Symbole und Kurse der an der New Yorker Börse notierten Aktienwerte auf, geradeso, wie man sie von der Besuchergalerie in der Wall Street verfolgen kann. Im Hintergrund klappern Schreibmaschinen, rattern Fernschreiber und klingeln Telephone.

„Im Augenblick ist es mehr ’runter als ’rauf“, bestätigt einer der fünf Börsenberater des Büros einem Kunden am Telephon – mit einem Unterton des Bedauerns. „Es wird zuviel blödes Zeug geredet im Augenblick“, hört man an einem anderen Telephon sagen, ein wenig beschwichtigend. „Bei uns ist es wieder schwächer“, heißt es im nächsten Augenblick.

„Bei uns“, das heißt, im vierten Stock des Gutruf-Hauses am Hamburger Neuen Wall, das heißt aber auch in New York, genauer, in der Wall Street, noch genauer, in der New York Stock Exchange.

Der einzige Unterschied zwischen dem Neuen Wall und der Wall Street ist hier der Unterschied der Ortszeit (von fünf Stunden). Ansonsten fühlt man sich in ein New Yorker Börsenbüro versetzt. (Wer die Frankfurter Bache-Niederlassung betritt, muß durch eine Marmorpforte hindurch, die dem Eingang des Bache-Hauptquartiers in der Wall Street haargenau nachgebildet ist, auf daß die Illusion vollkommen werde.)

Im übrigen hat man hier am Hamburger Neuen Wall alle Mittel und Möglichkeiten der Technik aufgeboten, um den deutschen Börsenkunden des amerikanischen Aktienmarktes aus dem Unterschied von Ort und Zeit keinen Nachteil entstehen zu lassen.

Die Finger der Angestellten von Bache & Co. sind an die 4000 Meilen lang: Der Druck auf einige Tasten des am Neuen Wall installierten elektronischen Transatlantik-Tickers (Stockmasters) genügt, um in der gleichen Sekunde den letzten Bezahltkurs, den augenblicklichen Geld- und Briefkurs und den Umsatz eines x-beliebigen, an der New Yorker Börse notierten Wertpapiers in Erfahrung zu bringen. Und wer sich für Hintergrundinformationen interessiert, dem steht es frei, sich über den Nachrichtenfernschreiber zu beugen, der von 8 Uhr in der Frühe bis 2 Uhr nachts die letzten, heißen Informationen über Firmenabschlüsse, Branchenberichte und, last not least, politische Neuigkeiten ausspuckt, die für die Kursentwicklung an der New Yorker Börse von Bedeutung sein können.

„Wall Street in Germany“, das ist für das Broker-Haus Bache & Co. eben mehr als ein Werbeslogan.