Die Patientin fragte ihn beiläufig, wie er den „Fall Contergan“ beurteile?

Ein Urteil stehe ihm nicht zu, sagte der Arzt, das überlasse er dem Gericht.

Sie wolle nicht wissen, ob er die Angeklagten für schuldig halte, sondern ob Contergan schuldig sei?

Aber wie soll ich das wissen, sagte der Doktor, wenn es nicht mal die Sachverständigen wissen?

Sie verstehe nicht recht, wozu man überhaupt noch Sachverständige bemühe. Habe die Presse nicht jeden Laien schon vor sechs Jahren über die Contergan-Schuld eindringlich ins Bild gesetzt? Und was macht nun ein Richter, wenn ein Gutachter heute ja und ein anderer morgen nein sagt?

Das Gericht fragt übermorgen den nächsten, sagte der Arzt. Und die übernächsten Sachverständigen müssen jeweils erklären, ob die Experten von gestern und vorgestern unrecht hatten oder nicht.

Bei allem Unrecht – Contergan war ein gutes Schlafmittel, nicht wahr? Haben Sie es damals auch so oft verschrieben, Doktor?