Feuilleton

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DIE ZEIT

Der Pillen-Bann

Kardinal Ottaviani, Roms mächtiger Konservativer, hat im Blick auf die Bevölkerungsexplosion einmal erklärt: „Könnte Gott sich die Vorsehung nennen, wenn er nicht für den Unterhalt der Menschen Vorsorge getroffen hätte?“ An einem solchen Zeugnis starrer Glaubensgewißheit zerschellen alle weltlichen Argumente.

Blick nach Prag

Vor 12 Jahren noch, im November 1956, als sowjetische Panzer durch Budapest rollten, brachte die Führung der französischen Kommunisten schnell jede interne Kritik zum Schweigen.

Prag und die roten Brüder

Immer schon hatten es die Kommunisten am schwersten mit sich selbst – wie alle Jünger von Lehren, welche die Welt nicht nur deuten, sondern verändern wollen.

Wofür noch kämpfen?

Was tun die Amerikaner in Vietnam? Die gängige Antwort auf diese Frage lautet: „Sie verteidigen die demokratische Freiheit gegen den Kommunismus.

ZEITSPIEGEL

„Hitler beherrschte Europa durch Gewalt und gebrauchte Gewalt gegen jene Nationen, die nicht bereit waren, sich zu unterwerfen.

Sein Schwert war die Feder

Am 2. August 1868 wurde Theodor Wolff – T.W., wie er nach dem Signum seiner Artikel im BT, im „Berliner Tageblatt“, allgemein genannt wurde – in Berlin geboren.

So starb Adolf Hitler

Der sowjetische Autor L. A. Besymenski schildert an Hand von Obduktionsbefunden den Selbstmord des „Führers“

Zwei Leichen für Smersch

Ich, der Gardeoberleutnant Panassow, Alexej Alexandrowitsch und die Soldaten Tschurakow, Iwan Dmitrijewitsch, Olejnik, Jewgenij Stepanowitsch und Serouch, Ilja Jefremowitsch, haben in der Stadt Berlin auf dem Gelände von Hitlers Reichskanzlei lieben der Stelle, wo die Leichen von Goebbels und seiner Frau entdeckt wurden, unweit von Hitlers privatem Luftschutzbunker zwei verbrannte Leichen (die Leiche einer Frau und die Leiche eines Mannes) aufgefunden und sichergestellt.

Wolfgang Ebert:: Unverschämte Frage

Was die Wähler von der Großen Koalition halten, kann man sich denken. Was aber hält die Große Koalition von den Wählern? Darüber informierte mich neulich Dr.

Der weite Weg ins Weiße Haus

Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika zu werden, ist ein hartes Stück Arbeit. Obendrein unterliegt seine Wahl auch einem komplizierten System.

Nixon hat bessere Chancen

Noch immer stürmt Nelson Rockefeller durch Amerika, begeistert große Menschenmengen und stellt sich den Wählern in Großanzeigen der Zeitungen und Werbesendungen im Fernsehen vor.

Delegiert nach Havanna?

Der Erfolg Richard Nixons auf der Republikanischen Konvention am 5. August mag davon abhängen, wie viele und welche Maschinen mit Delegierten auch tatsächlich in Miami landen.

Abgeschoben aus Berlin

Sie sind empört und sie sind stolz – jene 500 jungen Letten aus Westeuropa und Übersee, die in Berlin ihren ersten Weltkongreß abhalten wollten, mit Politik und Tanz, Reden und Liedern.

Wann wird unterzeichnet?

So groß die Meinungsverschiedenheiten im Regierungslager über die Stellungnahme der Bundesrepublik zum Atomsperrvertrag auch noch sind, an der Unterzeichnung des Vertrages zweifelt man in Bonn nicht.

Beamte als Berater

Angehörige der nordrhein-westfälischen Landesverwaltung dürfen, sofern sie nicht selbst Landtagsabgeordnete sind, nur mit Genehmigung des zuständigen Ressortministers an Fraktionssitzungen teilnehmen.

Zähes Ringen in Cierna

Dreißig Jahre nach dem Münchner Abkommen, zwanzig Jahre nach der kommunistischen Machtergreifung schlug für die Tschechoslowakei am Wochenanfang eine neue Schicksalsstunde.

Namen der Woche

EdwardKennedy (36), Senator von Massachusetts und jüngster Bruder der ermordeten Kennedys John und Robert, hat es abgelehnt, sich als Kandidat der Demokratischen Partei für das Amt des Vize-Präsidenten aufstellen zu lassen.

Sieben Millionen für Biafra

Im Kampf gegen Hunger und Not in Biafra soll die Bundesregierung außer den bereits bewilligten zwei Millionen weitere fünf Millionen Mark bereitstellen.

Die Pille bleibt verboten

Die Antibabypille und alle anderen künstlichen Empfängnisverhütungsmittel bleiben für katholische Eheleute verboten. Das bestimmt die Enzyklika „Humanae Vitae“ (Menschliches Leben), die Papst Paul VI.

Die Antwort der Generäle

Als „Friedenskandidat“ hatte sich Rechtsanwalt Dzu bei den Präsidentschaftswahlen im vorigen Jahr an zweiter Stelle hinter dem Generals-Gespann Thieu/Ky placiert.

Von ZEIT zu ZEIT

Unter dem Druck der sowjetischen Drohungen versuchte die Prager Parteiführung ihren Reformkurs auf einem Treffen mit dem Politbüro der KPdSU in Cierna durchzusetzen.

Was halt das Publikum von „Panorama“? Und wie groß ist der Einfluß des Fernsehmagazins?: Die Legende von der Zersetzung

Das Auge auf den Umstellungen bei den politischen Fernsehmagazinen, die die ARD für diesen Herbst angekündigt hat und die insgesamt eine wesentliche Verringerung der Sendezeiten mit sich bringen werden, hat das Institut für angewandte Sozialforschung in Bad Godesberg ermittelt, was eigentlich die Zuschauer von jenem Fernsehmagazin halten, an dem sich Unlust oder Zustimmung immer noch am deutlichsten zeigen müssen: von „Panorama“.

Aus Salzburg: Rudolf Walter Leonhardt

Was wird Karajan mit dem „Don Giovanni“ machen? Nachdem es Salzburgs Star-Dirigenten, neuerdings auch -Regisseur und -Entrepreneur, im vorletzten Jahr mit einer wirbelnden „Carmen“-Revue als erstem gelungen war, die Superbühne des Festspielhauses, auf der ein Basketball-Spielfeld bequem Platz fände, wirklich auszufüllen, erregten sich die sonderbaren Gemüter, die so etwas erregen kann, bei dem Gedanken an die erste Premiere der diesjährigen Festspiele: Der Amateur-Regisseur wollte „eines der geheimnisvollsten, größten Werke der gesamten Opernliteratur“ auf die Salzburger Breitwandbühne bringen, von dem ein in der Profession ergrauter Inszenator wie Günther Rennen vor zwei Wochen in der ZEIT schrieb, er halte es „für szenisch unrealisierbar“ (und das, nachdem er es viermal versucht hat!).

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Melodie-Detektive finden eingeblendeten Bach, Josquin, etwas Gregorianik und eine Prise Jazz. Stil-Fetischisten stoßen auf Ligetis Klangteppiche, Pendereckis Clusters, Nonos Schlagzeugekitasen und Sopran-Akrobatik à la Boulez.

Pädagoge Prospero

Jünger als viele seiner namhaften Vorgänger, stellte Will Quadflieg sich der altersweisen Rolle des Shakespeareschen Prospero.

Zwischen Katholizismus und Kommunismus

Es erschien uns eine angemessene Form, des französischen Dramatikers zu gedenken, daß wir seine Übersetzerin, Professor Dr. Klara-Marie Fassbinder, deren Auszeichnung für ihre Übersetzungen von unserem Bundespräsidialamt auf eine so überflüssige Weise hintertrieben wurde, baten: Frau Fassbinder, erklären Sie uns doch bitte, wie Sie Ihre beiden Lieben, die zum Katholizismus und die zum Kommunismus, zu Claudel und zu Lenin, miteinander vereinbaren können.

ZEITMOSAIK

Der Bürgermeister von Avignon, Michel Duffaut, hat dem amerikanischen Living Theatre die weitere Aufführung des Stückes „Paradise Now“ beim diesjährigen Festival von Avignon verboten, weil die amerikanische Truppe damit die „öffentliche Ordnung“ störe.

Meine Tagebücher

Ich hatte als Jüngling ein Vormerkbuch oder Tagebuch geführt, bis ich bemerkte, daß meine Mutter es heimlich las – der ungehörigen Dinge wegen; diese zu kennen, habe eine Mutter das Recht, so sagte sie mit ihrem reizenden, verlegenen Lachen, als ich sie zur Rede stellte.

Exklusive Stänkereien

Wie gut waren die guten alten Zeiten? Man nennt sie längst nicht mehr so, aber man fragt es noch. Wir wissen, daß es uns nie besser gegangen ist, es wurde uns oft genug gesagt.

ZU EMPFEHLEN

ES ENTHÄLT Aufsätze über "Die Reform des Rechtsgüterschutzes unter dem Dogma des Strafprinzips", "Zum Verhältnis von Kern und Grenzen der Reform besonders der Vermögensdelikte", "Reform des Sexualstrafrechts", "Die Problematik des vorverlegten Staatsschutzes".

Unser Seller-Teller Juni 1968

Es hat sich nicht viel geändert auf dem Seller-Teller: Vier der fünf Titel sind seit Monaten Verkaufsschlager; hinzugekommen ist lediglich „Die Palette“ von Hubert Fichte.

Dichtung und Wahrheit über Vietnam

Der Krieg in Vietnam beschäftigt heute nicht nur Politiker und Soldaten, sondern in wachsendem Maß auch die Buchverleger. Über Vietnam wird gesprochen, über Vietnam wird diskutiert, Vietnam ist modern.

Das Versagen der Kirchen

Die Losung „Siehe, ich mache alles neu!“ über einer Kirchenversammlung hätte noch vor wenigen Jahren nur die Bedeutung eines frommen Spruches gehabt.

Moderner Wilhelminismus

Ein moderner Imitator der griechischen Tragödie, der weiß, daß er seinem Publikum nicht den ausweglosen Zusammenbruch zumuten kann, sondern eines glücklichen Ausweges bedarf, hätte kaum geschickter komponieren können als Wilhelm Hennis in seinem moralischmachiavellistischen Pamphlet.

Kunstkalender

In Deutschland hat man Henry Moore noch nie so umfassend gesehen wie in dieser Jubiläumsausstellung. Der Katalog (der statt der üblichen kunsthistorischen Einführung die Vita des Bildhauers mit Photographien, Briefen, Zeitungsartikeln dokumentiert) verzeichnet 125 Nummern, chronologisch geordnet von 1922 bis 1968.

Theater: Ohne Giorgio Strehler

Noch in diesem Sommer erlebte eine Tourneetruppe des Piccolo Teatro auf Festspielen und in Großstädten unbeschreibliche Triumphe: Giorgio Strehlers Musterinszenierung des „Dieners zweier Herren“, die souveräne Wiedereinführung des einstens von der Bühne verbannten Arlecchino, das Theater einer zum sensibelsten Ausdruck gesteigerten Artistik ließ begeisterte Zuschauer, die ja meist noch nicht einmal die Sprache der Aufführungen verstanden, nach jenem Theaterort seufzen, den Oscar Fritz Schuh einmal etwas emphatisch das „Mekka der Theaterkunst“ genannt hatte.

FILMTIPS

„Der eiskalte Engel“, von Jean-Pierre Melville. Ein Gangsterfilm, doch einer, in dem nicht Oberflächenreize und das Temperament des Melodrams herrschen, sondern die Kühle der Parabel und die Strenge konsequenter Gedanken.

Flotte Geschäfte mit der Dummheit

schäftsführer und Haupteigner der Contracta-Gesellschaft für Auslandsbesitz & Co. KG, war schlicht verblüfft................

Die Krise in der CDU

Zur Abspaltung des linken Flügels, die voreilige Kommentatoren vorausgesagt haben, wird es gewiß nicht kommen – aber die Krise innerhalb der Union ist ernst.

Verdächtig

Nichts ist im weiten Feld der Politik dauerhafter als eine einmal fündig gewordene Steuerquelle. Diese Erkenntnis wurde wieder einmal erhärtet, als sich das Bundeskabinett gegenüber dem Parlament für den Fortbestand der Steuer für schweres Heizöl aussprach.

Heinz Michaels:: Ausreden haben sie immer

Was soll das eigentlich heißen: Geld macht sinnlich? Doch wohl dies: Die Faszination, die diese bunten Scheine, mit denen wir uns so viele Wünsche erfüllen können, auf viele Menschen ausübt, diese Faszination weckt oft ein Verlangen, das der Vernunft wenig Raum läßt.

Hinten herum

Die Zeit der Einkaufszentren auf der grünen Wiese ist vielleicht bald vorbei. Es wird in Zukunft nicht mehr genügen, irgendwo vor den Toren einer Stadt Weideland zu kaufen, darauf ein Einkaufszentrum oder einen Verbrauchermarkt zu errichten.

Verhärtet

Die Bemühungen der DDR, eine Antwort auf die neue Ostpolitik Bonns zu finden, führt langsam aber sicher zu einer vollständigen Lösung der letzten noch bestehenden Bindungen zwischen den beiden Teilen Deutschlands.

Das rote Coca-Cola

Rußland-Touristen bietet es sich als dankbares Photomotiv an, wie es in Moskau aus unansehnlich grauen, jauchefaßähnlichen Tankwagen auf offener Straße für wenige Kopeken eingeschenkt wird: Kwas, das russische Nationalgetränk.

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