Von Marietta niederer

Die Röcke bleiben kniefrei – und damit sei zunächst die bange Frage beantwortet, die auch jetzt wieder in Rom, nach den Modeschauen gestellt wurde. Midi und Maxi sind aber im Spiel. Maxi gilt für Mäntel, Midi für Cocktailkleider. Und zu frohlocken und zu glauben, alles bliebe beim alten, wäre grundfalsch.

„Aus“ ist die kastenförmige Kontur mit kleinem Kragen. „In“ ist eine geschmeidige, die natürlichen Kurven nachzeichnende Linie mit schwingendem Rock, mit Gürteln, mit größeren und großen Reverskragen. Diese „sanfte Welle“ ist bedingt durch weichere Gewebe, die abends zu gleitenden, stoffreich flatternden Gewändern getragen werden.

Am Tag gelten neue Proportionen: schmaler Oberkörper, möglichst gerade Schultern, Gürtel in, ober- oder unterhalb der Taille zu A-förmigen Röcken. Das ergibt einen jungen Umriß. Oft, vor allem bei nachmittäglichen Ensembles, erinnert manches verdächtig wieder an „Jolie Madame“, die jedoch gebeten wird, möglichst wenig Busen zu haben. Ohne Zweifel, die Mode ist eleganter geworden: Das kesse langmähnige Girl, das mit Miniröcken und maxilangen Beinen operierte, ist passé. Sex wird raffinierter dargeboten, Glamour aus den vierziger Jahren gesellt sich dazu. Das bedingt neue Schnitte, eingesetzte Glocken oder Keile und wieder schräg genommene Stoffe. Das bringt runde Kappen, Turbane, große Berets und sogar den Schleier in die Mode zurück.

Das bringt lange Jacken, große Reverskragen, breite Gürtel zu Faltenröcken; und es kann kurze Jacken, Boleros, Spenzer und Westen zu glockig schwingenden Röcken bringen. Das bestimmt die Renaissance der Redingote im Flair 1969, also weiblich geschmeidig, oft mit Gürteln. Das bedeutete kurzum: eine sehr studierte Verfeinerung der Schnitte und der Accessoires, zu denen jetzt auch Knöpfe und Klippverschlüsse gehören; sie sind so wichtig wie der Schmuck, mit dem sie konkurrieren.

Knöpfe sind aus Marmor, aus Onyx, Elfenbein, Email, auch wieder aus Perlmutt; sie sind mit Gold oder Silbermetall gefaßt. Knöpfe tragen das Monogramm in Gold als Werbung des Couture-Hauses in die Öffentlichkeit: „V“ für Valentino, „B“ für de Barentzen.

Gürtelschließen unterstützen diesen Trend. Sie bestehen aus Doppeladler bei Valentino, Elfenbeinelefanten bei Antonelli, Löwenköpfen aus Straß für Sanlorenzo; und die weiße Emailleblume spricht für Mila Schön. Außer aus Leder bestehen Gürtel aus Metallscheiben, aus großen Ringen, aus vielen Ketten; oder sie umfangen als große silberne Wellenlinie die Hüften.