Das Formular hat das Format DIN A 3, ist sechs Seiten lang und trägt die Überschrift: „Entwurf von Richtlinien für die Prüfung der körperlichen und geistigen Eignung von Fahrerlaubnis-Bewerbern und Fahrerlaubnis-Inhabern (Eignungsrichtlinien).“ Das Formular ist im Bundesministerium für Verkehr zu Bonn entstanden. Von dort gelangte es als Photokopie zur Bundesärztekammer in Köln. Am vergangenen Wochenende stand in allen Zeitungen: „Ärzte warnen vor Gesundheitsfragebogen.“ Über die körperliche oder geistige Eignung könne nur ein Arzt entscheiden, machten sie geltend. Fahrerlaubnis-Bewerber und Fahrerlaubnis-Inhaber sahen ihr Stück Papier schon bedroht, das ein normaler Mensch „Führerschein“ nennt.

Die Aufregung war völlig umsonst, denn dem Formular fehlt die wichtigste Rubrik: „Unterschrift des Arztes.“ Ohne diese Unterschrift ist das große weiße Papier völlig wertlos und keine Gefahr für das kleine graue Papier.

Laut Auskunft des Bundesverkehrsministeriums ist der „Entwurf ... zusammen mit den Ländern für die unteren Verwaltungsbeamten“ ausgearbeitet worden. In einigen Ländern soll es solche Fragebogen schon geben. Aber nunmehr sollen „die unteren Verwaltungsbeamten von Schleswig-Holstein bis Bayern einheitlich verfahren können“. Und wie?

Die Pressestelle in Bonn: „Wenn der Fahrerlaubnis-Bewerber bei der zuständigen Behörde um die Erteilung einer Fahrerlaubnis nachsucht, kann der Beamte ihn nach Krankheiten fragen. Dafür hat er ja jetzt seine Richtlinien. Wenn der Mann dann Kreislaufstörungen hat oder blind ist, kann ihn der Beamte zum Arzt schicken. Damit sind die Vorwürfe der Bundesärztekammer hinfällig.“

Ich fürchte: Die sorgsamen Überlegungen in Bonn sind auch hinfällig. Wer Kreislaufstörungen hat und verantwortungsbewußt ist, wird vor dem Fahrkurs zum Arzt gehen und um Rat fragen. Wer verantwortungslos ist, wird (nach der zehnten Fahrstunde oder dem elften Jahr Fahrpraxis) den Beamten kaum von seinen Kreislaufstörungen erzählen.

Ich fürchte: Da hat es in Bonn auch einige Störungen gegeben. Heinz D. Stuckmann