Im Kampf um das Amt des amerikanischen Präsidenten fällt in der nächsten Woche eine erste wichtige Vorentscheidung. Auf ihrem Konvent in Miami Beach/Florida will die Republikanische Partei ihren Kandidaten küren. Nach den überraschungsreichen Vorwahlen wagen die Experten nur eine Prognose: Es ist noch alles offen.

1333 Delegierte aus allen Bundesstaaten müssen die Personalentscheidung treffen. Favorit und noch vor einigen Wochen scheinbar sicherer Sieger ist Richard Nixon, Rechtsanwalt und Vizepräsident unter Eisenhower, der 1960 bei den Präsidentschaftswahlen gegen John F. Kennedy knapp unterlag. Er verfügt über einen starken Rückhalt in der Partei, die er nach dem Scheitern von Barry Goldwater im Jahre 1964 wieder sammeln konnte. Durch eine Reihe hoher Primary-Siege hat der „neue Nixon“, der bereits als „ewiger Verlierer“ galt, das Vertrauen vieler Delegierter gewonnen.

Sein stärkster Herausforderer und heimlicher Favorit der Auguren ist Nelson Rockefeller Gouverneur von New York und vielfacher Millionär. Er hat die Unfähigkeit der alten Funktionäre angegriffen, neue Lösungen für die Probleme des Landes zu finden und sich damit Sympathien bei der Parteibürokratie verscherzt. Anders als Nixon aber ist er über die republikanischen Stammwähler hinaus auch für Anhänger der Demokratischen Partei und die Farbigen attraktiv.

Offiziell ist Ronald Reagan, ehemaliger Schauspieler und Gouverneur von Kalifornien, kein Kandidat. Aber in der letzten Zeit haben sich mehr und mehr Delegierte für ihn ausgesprochen. Unter den drei Kandidaten ist Reagan der konservativste.

Nixon verfügt zur Zeit über etwa 570 Delegiertenstimmen. Um gewählt zu werden, benötigt er 667 Stimmen. Rockefeller kann mit etwa 26ß, Reagan mit 175 sicheren Delegierten rechnen. Diese „committments“ gelten freilich nur für den ersten Wahlgang. Nixon muß versuchen, ihn zu gewinnen, will er nicht wieder – und dann wohl endgültig – in die Rolle des Verlierers zurückfallen.