Unser Kritiker sah:

DER STURM

Von William Shakespeare

Salzburger Festspiele, Landestheater

Jünger als viele seiner namhaften Vorgänger, stellte Will Quadflieg sich der altersweisen Rolle des Shakespeareschen Prospero. Sie wurde zum Gipfelpunkt in der Laufbahn des Schauspielers. Quadflieg personifizierte den Abschied des Dichters vom Theater, das die Welt bedeutet, mit Konzentration und so viel sprachlicher Souveränität, wie es wohl überzeugender während der letzten Jahre keinem deutschsprachigen Prospero-Darsteller gelungen ist.

Oscar Fritz Schuh hatte ein gutes Regiekonzept für die einzige Schauspielpremiere dieses Salzburger Sommers. Von Teo Otto noch stammte der Entwurf einer dramaturgisch funktionellen, auf Schauwirkungen verzichtenden Bühne: auf einer Drehscheibe im Mittelgrund ein spiralartig ansteigendes Podest, dessen leeres Loch im Zentrum sich zu Irrgängen und zu anderen Verwandlungen aus der Tiefe verwenden ließ. Dahinter in halber Höhe Projektionen: der Schiffsuntergang des ersten Bildes und die späteren Zaubereien Prosperos. Im Vordergrund auf dem Orchesterdeckel bot die Vorbühne Prospero und seinem Luftgeist Ariel eigenen Spielraum. Hier hatten die magischen Personen des Stücks – oft nur von Punktscheinwerfern erhellt – ihre Sphäre.

Zeitweilig tollten auf der Vorderbühne auch die Rüpel: Caliban, Stephano und Trinculo. Doch blieben sie in der eher analytischen Inszenierung an den Rand gedrängt: Valter Taub, Hans Putz und Max Mairich. Es war eine gewisse Enttäuschung, daß so viel bravouröse Komödianterie eigentlich keinen Spaß machte. Der komische Part des Stückes fiel weitgehend aus.