Bonn will seine Hilfe verstärken – Noch kein Landkorridor

Im Kampf gegen Hunger und Not in Biafra soll die Bundesregierung außer den bereits bewilligten zwei Millionen weitere fünf Millionen Mark bereitstellen. Das haben die Bundestagsausschüsse für Auswärtiges und Entwicklungshilfe am Montag in Bonn auf einer gemeinsamen Sitzung beschlossen. Außerdem werden so bald wie möglich zwei Delegationen des Parlaments nach Nigeria und Biafra fliegen.

Die Ausschüsse billigten die Hilfsmaßnahmen der Bundesregierung, die der Leiter des Afrika-Referats im Auswärtigen Amt, Graf Posadowsky-Wehner, nach einem Besuch in Lagos vorige Woche angeregt hatte. Danach sollen mehrere Ärzteteams und 25 Lastkraftwagen in die Notstandsgebiete entsandt werden.

Fraglich bleibt allerdings nach wie vor, ob und wie die Bonner Hilfe „an den Mann“ gebracht werden kann. Die Entscheidung über einen Landkorridor wurde bei den nigerianisch-biafranischen Gesprächen in Niamey (Republik Niger) auf die Friedenskonferenz verschoben, die am 5. August in Addis Abeba beginnen soll. Bis dahin werden etwa weitere 30 000 Ibos sterben – vielleicht sogar mehr, weil das Internationale Rote Kreuz seine Hilfsflüge von Fernando Po nach Biafra wegen „technischer Landeschwierigkeiten“ einstellte.

Inzwischen haben die nigerianischen Streitkräfte ihre Angriffe auf das Herzland Biafras wieder mit voller Schärfe aufgenommen. Die ehrgeizigen Frontkommandeure der Zentralregierung wollen militärische „Faits accomplis“ schaffen, bevor ein Waffenstillstand die Fronten einfriert.

Bolivianische Krise

Was Ché Guevara zu Lebzeiten nicht schaffte, hat der tote Guerilla-Heros bewirkt: Bolivien stürzte vorige Woche in eine Krise. Die Regierung trat zurück, in La Paz kursierten Gerüchte über einen bevorstehenden Staatsstreich des Militärs.

Innenminister Arguedas hatte die Staatskrise ausgelöst. Der heimliche Parteigänger des Guerillaführers übermittelte dem kubanischen Diktator Castro eine Kopie von Guevaras Tagebuch. Dann flüchtete er nach Chile, wo er sich als „humanistischer Marxist“ zu erkennen gab. Doch niemand will den Streiter gegen den „amerikanischen Imperialismus“ haben: In Santiago erhielt Arguedas nur eine 30tägige Aufenthaltsgenehmigung, und Präsident Barrientos verzichtete auf seine Auslieferung.