Am nächsten Tag, am 3. Mai 1945, wurden in dem Bunker Leichen von sechs Goebbels-Kindern und die Leiche von General Krebs gefunden. Sie wurden ebenfalls nach Plötzensee gebracht. Nun begann die Prozedur der Identifizierung. Die Leiche von Goebbels lag in einem Zimmer auf dem Tisch, die Leichen seiner Frau und Kinder und die des Generals Krebs wurden auf den Fußboden gelegt. Die Zeugen hielten sich in dem anderen Zimmer auf. Als erster betrat das Zimmer Vizeadmiral Voss, der Vertreter des Großadmirals Dönitz im Führerhauptquartier; Angehörige des Nachrichtendienstes der 3. Stoßarmee hatten ihn festgenommen. Ohne zu zaudern identifizierte er Goebbels und seine Kinder.

An Goebbels’ Tod war nicht mehr zu zweifeln. Man muß die Sorgfalt der sowjetischen Abwehroffiziere loben: Um auch die geringste Möglichkeit eines Irrtums auszuschalten, ließen sie die Leiche des Ministers von nahezu 20 Zeugen identifizieren. Das Identifizierungsprotokoll wurde von 17 Personen unterzeichnet, darunter Vertreter des Abwehrdienstes, des Nachrichtendienstes, der Politorgane, einige Ärzte und drei Deutsche – Vizeadmiral Voss, Hitlers Koch Lange und der Garagenmeister der Reichskanzlei, Schneider. Auch nach Unterzeichnung des Protokolls ging die Prüfung weiter. Als der Chef von Goebbels’ Leibwächtern, Wilhelm Eckold, gefangengenommen war, wurde eigens für ihn die Leiche nochmals vorgeführt. Auch Eckold bestätigte die Identität.

Mit der Identifizierung der Leiche des ehemaligen Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda und Gauleiters von Großberlin war die erste Etappe der Suchaktion abgeschlossen. Der schwierigere Teil stand noch bevor: man mußte Hitler finden. Am Abend des 3. Mai fuhr Oberst Klimenko mit Vizeadmiral Voss noch einmal in die Reichskanzlei: „Es war gegen neun Uhr abends. Wir traten an ein großes ausgetrocknetes Löschwasserbecken, in dem viele Leichen lagen. Voss zeigte auf eine Leiche: ‚Oh! Da ist Hitler! Die Leiche war angezogen, an den Füßen steckten gestopfte Socken. Nach einer Weile fing Voss an zu zweifeln: ‚Nein, nein, ich kann nicht genau sagen, daß es Hitler ist.‘ Offen gesagt, auch ich hatte wegen der gestopften Socken meine Zweifel!

Der 4. Mai kam. Etwa gegen 11 Uhr kehrte ich zusammen mit sechs Zeugen in den Garten der Reichskanzlei zurück. Wir liefen zum Wasserbecken, doch die Leiche war schon nicht mehr da. Ich wollte ins Gebäude, man ließ mich aber nicht hinein, denn zu dieser Zeit gehörte die Reichskanzlei bereits zum Gefechtsstreifen der 5. Stoßarmee. Ich mußte erst in die Kommandantur gehen, die sich in einem anderen Flügel der Reichskanzlei befand, um dort einen Passierschein zu holen. In einem der vielen Säle lag eine bewachte Leiche. Nur einer von sechs Zeugen sagte, es könnte Hitler sein. Die fünf anderen leugneten es entschieden.

Gegen zwölf Uhr fragte jemand von meinen Soldaten: ‚Wo haben Sie Goebbels gefunden?‘ Wir gingen in den Garten, zum Bunkerausgang. Soldat Iwan Tschurakow stieg nebenan in einen Trichter, der mit verbranntem Papier übersät war. Ich bemerkte, daß dort eine Panzerfaust steckte, und rief Tschurakow zu: ‚Kriech ja heraus, sonst fliegst du noch in die Luft!‘ Tschurakow antwortete ‚Genosse Oberstleutnant, hier sind Beine zu sehen!‘

Wir begannen sie auszugraben und zogen aus dem Trichter die Leichen eines Mannes und einer Frau hervor. Natürlich bin ich zuerst überhaupt nicht auf den Gedanken gekommen, daß es die Leichen von Hitler und Eva Braun sein könnten, da ich annahm, seine Leiche liege schon in der Reichskanzlei, und man brauche sie lediglich noch zu identifizieren. Deswegen habe ich angeordnet, die Leichen in Decken einzuhüllen und wieder zu beerdigen.“

Klimenko erinnert sich, daß eine Gruppe, darunter ein Mann in Diplomatenuniform, ungefähr gegen 14 Uhr in der Reichskanzlei erschien. Der Diplomat stellte sofort fest, daß dies nicht Hitlers Leiche war: „Sie können die Leiche ruhig vergraben...“ Klimenko meinte, das könnte Wladimir Semjonowitsch Semjonow sein. Aber er irrte sich. Es war in der Tat ein anderer Deutschlandkenner: Andrei Andrejewitsch Smirnow, was er mir gegenüber gern bestätigte.