Die Bemühungen der DDR, eine Antwort auf die neue Ostpolitik Bonns zu finden, führt langsam aber sicher zu einer vollständigen Lösung der letzten noch bestehenden Bindungen zwischen den beiden Teilen Deutschlands. Zum erstenmal seit Kriegsende hat jetzt die offizielle Staatliche Zentralverwaltung für Statistik den Interzonenhandel – bisher in Ostberlin innerdeutscher Handel genannt – als Außenhandel mit Westdeutschland bezeichnet.

Abgesehen davon, daß er – folgt man konsequent der Pankower Zwei-Staaten-Theorie – eigentlich Außenhandel mit der Bundesrepublik Deutschland genannt werden müßte, zeigt die neue Sprachregelung die Verhärtung des Verhältnisses zwischen Ostberlin und Bonn. Noch vor kurzem, als das bisherige Ministerium für Außenhandel und innerdeutschen Handel umbenannt wurde, scheute sich Ostberlin, kurz und einfach den Titel Außenhandelsministerium zu wählen. Die Kompromißlösung hieß Ministerium für Außenwirtschaft.

Jetzt scheinen nach der Einführung der Visabestimmungen im Verkehr mit der DDR und Westberlin auch auf wirtschaftlichem Gebiet die letzten Hemmungen gefallen zu sein. An den Tatsachen allerdings wird das Umtaufen des innerdeutschen Handels kaum etwas ändern. Viele Kaufleute und Techniker der DDR werden nach wie vor lieber mit der Bundesrepublik als mit anderen Ländern verhandeln, weil sie mit uns die gleiche Sprache sprechen und von gleichen technischen Voraussetzungen ausgehen. Auf der anderen Seite wird der Interzonenhandel weiter wie bisher ein Zugpferd vor dem politischen Karren Pankows bleiben und in die Richtung laufen müssen, die die allgemeine Politik Ulbrichts nimmt. mh.