Bei American Tobaccos siegte Futterneid über die Gesetze der Londoner City. Im Kampf um die Beherrschung des englischen Tabakkonzerns Gallaher setzte American Tobaccos seinen amerikanischen Konkurrenten Philipp Morris rücksichtslos schachmatt.

Philipp Morris erwies sich zunächst als schneller. Kaum zwei Monate nachdem Imperial Tobaccos, Englands größter Zigarettenhersteller mit einem Marktanteil in England von 66 Prozent, seine Beteiligung an Gallaher (knapp 37 Prozent aller Aktien), verkauft hatte, lockte Philipp Morris mit einem Übernahmeangebot. Damit war promt eingetreten, was Imperial Tobaccos unbedingt verhindern wollte und bisher auch verhindert hatte – die Amerikaner drängen sich in den britischen Markt.

Das Gebot von Philipp Morris wurde vom Gallaher-Direktorium abgelehnt. Diese Atempause nutzte American-Tobaccos und bot nun seinerseits den Gallaher-Aktionären 35 Shilling für eine Aktie, die Philipp Morris nur 25 Shilling wert war und die kurz zuvor von Imperial Tobaccos mit Müh und Not für 20 Shilling verkauft worden war.

In knapp einer Stunde nach Veröffentlichung des Angebots hatte American Tobaccos seine ursprüngliche Beteiligung an Gallaher von rund 12 Prozent durch hektische Käufe auf 28 Prozent erhöht und damit jeden Konkurrenten aus dem Feld geschlagen.

Der Trick dabei war, daß American Tobaccos nur die Hälfte aller Gallaher-Aktien erwerben wollte. Entsprechend war auch das Angebot formuliert: Nur die Hälfte des Aktienbesitzes eines jeden Aktionärs sollte zu dem attraktiven Preis übernommen werden. So formuliert, deckte sich das Angebot mit dem Übernahme-Kodex der Londoner City, wonach bei Übernahmen alle Aktionäre gleich zu behandeln sind.

Doch American Tobaccos handelte nicht wie vorgesehen, sondern kaufte, vor allem von den institutionellen Großanlegern in der Londoner City, was nur immer zu haben war. Die nicht informierten Aktionäre hatten dabei das Nachsehen.

Der beauftragte britische Makler kaufte an den folgenden Tagen an der Börse, wann immer die Kurse günstig waren. Da nur die Hälfte aber Gallaher-Aktien übernommen werdet sollte, stiegen die Kurse nie auf 35 Shilling. So sicherte sich American Tobaccos den Zankapfel mit einem lukrativen Angebot, ohne den vollen Preis zu zahlen.