Es gibt keine gute Literatur, die nicht unterhaltend wäre. Es fragt sich nur, womit und wen sie unterhält.

Richard Alewyn

Paradise lost

Der Bürgermeister von Avignon, Michel Duffaut, hat dem amerikanischen Living Theatre die weitere Aufführung des Stückes „Paradise Now“ beim diesjährigen Festival von Avignon verboten, weil die amerikanische Truppe damit die „öffentliche Ordnung“ störe. In dem Stück, das bisher dreimal gespielt wurde, werden revolutionäre Parolen ans Publikum gerichtet, die Spieler mischen sich in paradiesähnlicher Minimalbekleidung unter die Zuschauer. Nach Schluß der Vorstellung spielten die New Yorker, die erst kürzlich aus dem Exil nach den USA zurückkehren durften, auf der Straße weiter, wobei sie von entrüsteten Bürgern mit Wasser begossen wurden. Das nahm der Bürgermeister zum Anlaß für sein Verbot. Sollte es den Living-Theatre-Leuten gelingen, Maurice Béjart zu einer Solidaritätsaktion zu gewinnen, dann wäre wieder einmal ein Festival gesprengt, das ohnehin wegen seiner Abweichung vom konventionellen Festivalsommer von Freunden ruhiger Festlichkeit angefeindet wird.

Kammerdiener

Auf ihrer Jahrestagung in Bonn haben die ausländischen Stipendiaten der Alexandervon-Humboldt-Stiftung bittere Klage über die „feudal-patriarchalischen“ Verhältnisse an deutschen Universitäten geführt. In dem Jahresbericht der jungen Wissenschaftler, den der Präsident der Stiftung, Professor Werner Heisenberg, vorlegte, sind die Ergebnisse einer Befragung über die Situation des wissenschaftlichen Nachwuchses in Deutschland festgehalten. Über die Stellung der Assistenten findet sich dort zum Beispiel die Beobachtung, sie gleiche der eines Kammerdieners und Privatsekretärs, der sich nicht nur um das Auto und die Zugverbindungen des Professors, sondern häufig auch noch um dessen Haushaltseinkäufe zu kümmern habe. Die Autoren des Jahresberichts verlangen deshalb, „das noch vorhandene aristokratische Bewußtsein der Ordinarien“ müsse „in zeitgemäße Denkformen“ umgewandelt werden. Wichtig an dieser Kritik ist vor allem, daß sie ausnahmsweise einmal nicht in eigener Sache geführt wird: Die Humboldt-Stipendiaten erhalten eine großzügige Förderung, deren Erfolg sichtbar wird in den Abschlußquoten des vergangenen Jahres: 1967/68 habilitierten sich drei Stipendiaten an deutschen und elf an ausländischen Hochschulen, und 27 beendeten ihre Promotionen.

Gekündigt