eine Familienunternehmen in der Form einer Aktiengesellschaft gibt es in der Bundesrepublik nur noch wenige. Zu ihnen zählt die Firma Fichtel & Sachs AG in Schweinfurt, die in zwei Jahren 75jähriges Bestehen feiern kann. Ihre beiden Aktionäre sind Ernst Wilhelm und Gunter Sachs. Allen Gerüchten, daß Bardot-Ehemann Gunter nichts mehr mit der Gesellschaft zu tun habe, wurden vor kurzem der Boden entzogen. Die beiden Brüder – Ernst Wilhelm Sachs war bis Mitte 1967 Vorstandschef des Unternehmens – sind seit 1. April 1968 zusammen im Aufsichtsrat vertreten und „Steuermänner“ der Geschäftspolitik.

Im fünfköpfigen Vorstand gibt es dafür die fast einmalige Situation, daß mit Siegfried Hayd (zuständig für Zentralaufgaben und Einkauf) sowie mit Helmut Spies (Verkauf und Beteiligungen) seit Mitte 1967 zwei gleichberechtigte Sprecher vorhanden sind. Ihre Aufgabe soll es vor allem sein, die in den letzten Jahren etwas ertragsschwach gewordene Gruppe Fichtel & Sachs stärker organisch zusammenzubauen und die Diversifikation im eigenen Hause voranzutreiben. Zu Fichtel & Sachs gehören heute so bekannte Firmen wie die Zweirad-Union AG, die Nürnberger Hercules-Werke, August Rabeneick GmbH, die Fella-Werke und die Deutsche Star Kugelhalter GmbH. Der Konzernumsatz (1967: 506 Millionen Mark) entfällt nur noch zu knapp 60 Prozent auf das Schweinfurter Kernunternehmen.

Das Produktionsprogramm der Gruppe ist zwar weit gestreut, aber noch relativ stark abhängig vom Kraftfahrzeugsektor. Automobilzubehör, vor allem Kupplungen und Stoßdämpfer, stellen zur Zeit rund zwei Drittel des Geschäfts. Vorgesehen ist, diesen Anteil in den nächsten-Jahren auf etwa die Hälfte herabzudrücken. Die Expansion geht daher besonders in Richtung der anderen Sparten. Ein Schwerpunkt sind dabei stationäre Motoren. Die ersten Erfolge zeichnen sich schon ab. Fichtel & Sachs brachten 1967 als erste Firma serienmäßig gefertigte Kreiskolbenmotore nach dem Wankel-System auf den Markt.

eh