Von Klara-Marie Fassbinder

Es erschien uns eine angemessene Form, des französischen Dramatikers zu gedenken, daß wir seine Übersetzerin, Professor Dr. Klara-Marie Fassbinder, deren Auszeichnung für ihre Übersetzungen von unserem Bundespräsidialamt auf eine so überflüssige Weise hintertrieben wurde, baten: Frau Fassbinder, erklären Sie uns doch bitte, wie Sie Ihre beiden Lieben, die zum Katholizismus und die zum Kommunismus, zu Claudel und zu Lenin, miteinander vereinbaren können.

Vor etwa zehn Jahren war ich in Paris bei einem angesehenen Arzt anläßlich einer Friedenstagung einquartiert. Irgend jemand hatte mir zugeflüstert, er sei Kommunist, ob mich das nicht störe. Im Weltfriedensrat war ich als die Katholikin bekannt.

Aber es störte mich keineswegs. Ich war eher ein bißchen neugierig, wie es wohl in einem kommunistischen Intellektuellen-Haushalt aussehe.

Die Frau war auch Akademikerin. Im Raum neben meinem Zimmer war eine stattliche Bibliothek, darin auch eine Ausgabe der frühen Werke Claudels – einschließlich der „Verkündigung“ und der „Feuilles de Saints“.

„Das wundert Sie?“ fragte mich der Hausherr. „Das hat doch mit meiner politischen Einstellung nichts zu tun! Ich teile viele Ansichten Claudels nicht. Aber er ist ein großer Dichter, der größte französische Dichter dieser Zeit. Und ich bewundere seine Werke.“

Später, als man sich anschickte, „L’Annonce faite à Marie“ im ersten Theater Frankreichs, dem Hause Molières, in der Comédie Française zu geben, war ich zufällig in einer Provinzstadt in der DDR. Ich fragte in meinem Hotel, ob sie wohl eine ausländische Zeitung hätten.