Bundesfinanzminister Strauß setzte deutsche Regierungskreise und Unternehmer in Erstaunen. Er nutzte seine Amerikareise, um im privaten Kreis den Amerikanern eine neue Lösung des deutsch-amerikanischen Devisenproblems schmackhaft zu machen. Sein Vorschlag ist einfach und klingt plausibel.

Das Defizit der USA in der Devisenbilanz mit Deutschland hat seine Ursachen in den Ausgaben für die amerikanischen Schutztruppen und im Kapitalexport der US-Unternehmer in die Bundesrepublik. Strauß will nun den Spieß umdrehen und deutsche Unternehmen zu Investitionen in den USA anreizen. Auf diesem Weg sollte mindestens ein teilweiser Ausgleich der Stationierungskosten erreicht werden.

Washington rechnet für seine Truppen mit einem Ausgleich von etwa drei Milliarden jährlich. Nach Ansicht von Strauß – wahrscheinlich in Übereinstimmung mit dem Bundesverteidigungsministerium – soll davon nur etwa ein Drittel durch den Kauf von Rüstungsmaterial und anderen militärischen Ausgaben in den USA beglichen werden.

Der Bundesfinanzminister meint nun, daß Washington, und Bonn gemeinsam überlegen sollten, wie die Investitionen der deutschen Wirtschaft in den USA erhöht werden könnten, und zwar auf etwa eine Milliarde Mark jährlich.

1965 hatten diese Investitionen 106 Millionen Mark betragen, waren 1966 auf 45 Millionen gesunken und im vergangenen Jahr auf 357 Millionen Mark hinaufgeschnellt. Auch die amerikanischen Kapitalinvestitionen in Deutschland sind 1967 kräftig auf 2,47 Milliarden Mark gegenüber 1,06 und 1,02 Milliarden Mark in den beiden vorhergehenden Jahren gestiegen.

Faßt man die Ergebnisse der letzten drei Jahre zusammen, um die offensichtlich vorliegenden Sondereinflüsse auszuschalten, dann stehen amerikanischen Investitionen in Deutschland von 4,56 Milliarden deutsche Investitionen in den USA im Betrage von nur 0,51 Milliarden Mark gegenüber.

Für dieses Mißverhältnis gibt es viele Ursachen, angefangen bei den problematischen Wechselkurs zwischen Dollar und Mark und den hohen Arbeitskosten in den USA bis hin zu psychologischen Hemmnissen, die in der Erinnerung an die Behandlung der deutschen Vermögen in den USA nach 1945 liegen.

Es würde also nicht leicht sein, die deutschen Investitionen in der amerikanischen Wirtschaft auf den von Strauß erwähnten Betrag von einer Milliarde Mark jährlich zu bringen. Sollten Förderungsmaßnahmen erwogen werden, so wäre vor allem Washington am Zuge. Oder will Bonn etwa die USA in den Kreis der vom Entwicklungshilfegesetz begünstigten Länder einbeziehen? Die Amerikaner würden das wohl kaum für eine glückliche Lösung halten. ehk.