Wir sind überzeugt, daß die Kommunisten in der Welt allen Versuchen, den Stalinismus in unserem Land wiederzubeleben, gleichfalls ablehnend gegenüberstehen. Schließlich würde dadurch auch die Anziehungskraft kommunistischer Ideen in der Welt schwer beeinträchtigt werden. Heute liegt der Schlüssel zu einer progressiven Neuordnung des Herrschaftssystems allein in der geistigen Freiheit. Das haben, insbesondere die Tschechoslowaken verstanden, und es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß wir ihre kühne Initiative, die für die Zukunft des Sozialismus und der ganzen Menschheit so wichtig ist, unterstützen sollten. Diese Unterstützung sollte politisch sein – aber auch erhöhte Wirtschaftshilfe einschließen.

Was nun die Frage der Zensur anbetrifft, so wird es da, jedenfalls auf längere Sicht, mit „liberalisierten“ Anweisungen kaum getan sein. Größere organisatorische und gesetzgeberische Maßnahmen sind erforderlich, zum Beispiel der Erlaß eines Sondergesetzes für Presse und Information, das klar und überzeugend definiert, was gedruckt werden darf und was nicht, und das die Verantwortung befähigten Leuten anvertraut, die unter öffentlicher Kontrolle stehen. Es ist wichtig, daß der Austausch von Informationen (Presse, Tourismus) auf einer internationalen Basis in jeder Hinsicht erweitert wird, damit wir uns besser kennenlernen. Wir dürfen auch nicht versuchen, an soziologischer, politischer und wirtschaftlichen Forschung zu sparen. Und diese Forschungen dürfen nicht nach Programmen, die die Regierung kontrolliert, ausgeführt werden – sonst könnte man versucht sein ‚unangenehmen Themen und Fragen‘ auszuweichen.

Das amerikanischsowjetische Ski-Rennen

Die Zukunft des Sozialismus hängt davon ab, ob der Sozialismus attraktiv gemacht werden kann, ob die moralische Anziehungskraft der sozialistischen Ideen und die Verherrlichung der Arbeit – im Vergleich mit den egoistischen Ideen des Privatbesitzes und der Verherrlichung des Kapitals – die entscheidenden Faktoren sein werden, die die Menschen beachten, wenn sie Sozialismus und Kapitalismus vergleichen – oder ob diese Menschen vor allem an die Einengung der Geistesfreiheit unter dem Sozialismus, oder, schlimmer noch, an das faschistische Regime des Kults (Persönlichkeitskults) denken.

Ich betone den moralischen Aspekt, denn wenn es nur auf eine hohe Produktivität der gesellschaftlichen. Arbeit oder auf die Entwicklung aller produktiven Kräfte oder darauf ankommt, einen hohen Lebensstandard für die Mehrheit der Bevölkerung sicherzustellen, dann scheinen sich Kapitalismus und Sozialismus „in die Hände gespielt“ zu haben. Wir wollen diese Frage im einzelnen untersuchen.

Man stelle sich zwei Skiläufer vor, die durch tiefen Schnee laufen. Zu Beginn war einer von ihnen – in einer gestreiften Jacke – viele Kilometer voraus, aber jetzt holt der Läufer in der roten Jacke ihn ein. Was können wir über die relative Stärke der beiden sagen? Nicht viel, denn jeder macht das Rennen unter anderen Bedingungen. Der Gestreifte spurte den Neuschnee, und der Rote folgte ihm. (Der Leser wird verstehen, daß ich hiermit die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung symbolisieren will, die das führende Land zu tragen hat.) Man kann über das Rennen lediglich sagen, daß es in der Stärke der beiden Skifahrer kaum einen Unterschied gibt.

Diese Parabel reflektiert natürlich nicht die ganze Komplexität eines Vergleichs des wirtschaftlichen und technologischen Fortschritts in den Vereinigten Staaten und in der Sowjetunion, der relativen Vitalität des russischen revolutionären Elans und der amerikanischen Effizienz.