François-Xavier Ortoli, Wirtschafts- und Finanzminister Frankreichs, atmet auf. Die letzten Berichte und Untersuchungen des Institut National de la Statistique (INSEE) haben ihm frischen Mut gemacht.

Nach den schweren Mai-Unruhen zeichnet sich jetzt eine wirtschaftliche Wiederbelebung ab. Die ersten schwarzen Prognosen haben sich zum Teil als falsch erwiesen. Noch im Juni prophezeite das französische Wirtschaftsblatt „L’Expansion“ eine generelle Preissteigerung von etwa zehn Prozent bis Ende des Jahres.

Nach der Prognose des Institut de la Statistique wird die Preissteigerung bis Ende des Jahres nur in einigen Branchen, wie zum Beispiel in der Textilindustrie, die Drei-Prozent-Grenze übersteigen. Bei den Dienstleistungen dagegen erwartet man eine Preissteigerung von 7 bis 8 Prozent.

Zwar haben sich einige Klein- und Mittelbetriebe zu wilden Preiserhöhungen verstiegen, doch das Gros der französischen Unternehmer hat sich bis jetzt an den dringenden Appell von Ortoli zur „Preisstabilität“ gehalten. Die „konzertierte Aktion“ zwischen Regierung und Unternehmern scheint Früchte zu tragen. Doch das drohende Gespenst eines staatlichen Preisstopps wie zuletzt im Jahre 1962 hat zur Disziplin geführt.

Der französische Autofahrer trägt bis jetzt allein den Preis für die Mai-Unruhen. Nach der Verdoppelung der Kraftfahrzeugsteuer für bestimmte Modelle hat jetzt das Finanzministerium den Benzinpreis um 2 bis 3 Centimes pro Liter erhöht. Ein Liter Super kostet 88 Centimes. Das ist der höchste Preis in Europa.

Die französische Regierung rechnet damit, daß die Expansion im Oktober kräftig einsetzt. Die französischen Unternehmer sehen mit Zuversicht in die Zukunft. Ihre Auftragsbücher sind voll und die Lagerbestände als Folge des Streiks stark zusammengeschrumpft.

Wenn das politische Klima sich in den nächsten Monaten nicht mehr verschlechtert – noch finden in Paris Studentendemonstrationen statt –, dann hoffen die französischen Unternehmer, im Herbst auf vollen Touren arbeiten zu können; vorausgesetzt, daß die französischen Konsumenten ihre zusätzlichen Löhne ausgeben und nicht auf die Sparkonten bringen.