Werden die Aktionäre Kurt Wendt: auf den Hauptversammlungen richtig vertreten? Das Depotstimmrecht wird nicht sinnvoll ausgenutzt

Kurt Wendt:

Zum zweiten Male kann der Darmstädter „Kleinaktionär“ Erich Nold, enfant terrible auf deutschen Hauptversammlungen, einen spektakulären Erfolg für sich buchen. Das erstemal gewann er einen Prozeß gegen die große BASF (Badische Anilin- & Soda-Fabrik AG), jetzt erreichte er, daß sich die drei Großbanken (Commerzbank, Deutsche Bank, Dresdner Bank) sowie die deutschen Sparkassen seinem Antrag auf Sonderprüfung bei den Rheinischen Stahlwerken anschlössen.

Die Banken taten es nicht sofort. Es gefiel ihnen gar nicht, mit ihrem alten Widersacher Nold in einem Glied zu stehen. Dies um so weniger, als sich die Sonderprüfung auch auf das Verhalten des Aufsichtsrats beziehen soll, in dem alle drei Banken durch Vorstandsmitglieder vertreten sind.

Nach und nach dämmerte es indessen bei den Banken. Sie merkten an der Reaktion in der Öffentlichkeit, was für sie bei Rheinstahl auf dem Spiel steht. Hier geht es um nicht mehr oder weniger als um ihre Glaubwürdigkeit als Verwalter des Depotstimmrechtes.

Dennoch brachte es eine große Zahl von Kreditinstituten fertig, ihrer Kundschaft zu empfehlen, für die Verwaltung zu stimmen, also für die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat und gegen die Einsetzung des von Nold beantragten Sonderprüfers, der ergründen soll, ob der Kaufpreis, den Rheinstahl seinerzeit für die verlustträchtigen Henschel-Werke gezahlt hat, angemessen war und ob die Grundstücke, die Rheinstahl in den letzten Jahren wegen der katastrophalen Geschäftslage veräußern mußte, nicht verschleudert worden sind.

Ohne Prophet spielen zu wollen, kann man heute schon sagen, daß der Sonderprüfer schwerlich auf aktienrechtliche Verstöße treffen wird. Deshalb hat die Verwaltung die Sonderprüfung auch nicht zu befürchten. Die Großbanken wissen das; sie streben für die Verwaltung einen aktienrechtlichen „Persilschein“ an, um ihre Hände in Unschuld waschen zu können. Bis dahin wird die Entlastung der Verwaltung ausgesetzt.