Heinrich Schütz: "Dreizehn kleine geistliche Konzerte"; Schreier, Rotzsch, Leib, Adam, Polster, fünf Kruzianer, Leitung: Rudolf Mauersberger; Deutsche Grammophon Gesellschaft Archiv Produktion 198 431, 25 — DM. Nicht nur in bundesrepublikanischen Etats wird, wenn es ans Sparen geht, zunächst an den Kulturfonds gestrichen: Als 1631 der Kurfürst Johann Georg von Sachsen ein Bündnis mit den Schweden einging und viel Geld in die Rüstung stecken mußte, wurde ziemlich bald die hochberühmte Hof kapeile drastisch verkleinert — 1639 hatte der schon zu Lebzeiten als "Vater der neueren deutschen Musik" apostrophierte Kapellmeister Heinrich Schütz nur noch zehn Musiker zur Verfügung, die er zum Teil sogar aus eigenen Mitteln bezahlte. Um mit dieser reduzierten Besetzung trotzdem liturgische Funktionen erfüllen zu können und um auch anderen. Kapellen und Kantoreien im Lande neues, brauchbares Aufführungsmaterial an die Hand zu geben, komponierte Schütz 1636 und 1639 zwei Sammlungen "Kleiner geistlicher Konzerte", Motetten für eine bis drei Solostimmen mit Generalbaßbegleitung. Die Texte und die daraufgesetzten melodischen und harmonischen Ausdrucksmittel geben die Reflexionen eines Menschen wieder, der wegen der "Boßheit der jetzigen den freyen Künsten widrigen Zeiten" und nach dem Verlust von Eltern, Frau, zweier Brüder, einer Tochter und des besten Freundes sich "weder Gott noch menschen, Am allerwenigsten mir selbsten nütz" findet, der aber trotzdem einen Glauben und ein Gottvertrauen besessen haben muß, die geradezu unmenschlich anmuten.

Die in der Dresdner Lukaskirche mit DDRMusikern gemachten Plattenaufnahmen muß man wegen ihrer musikalischen wie technischen Qualitäten — stilistische Sauberkeit, moderne Ausdrucksaskese, einwandfreie Pressung — schätzen. Man darf sie darüber hinaus für einen Nachweis dafür halten, daß bestimmte politische wie theologische Situationen sich durchaus wiederholen können; daß auch die musikalischen Reaktionen darauf heute in adäquater Weise erfolgt seien, darf man, muß man bislang noch bezweifeln.