Im bayerischen Oberland haben die Wedler und Rodler künftig von Gesetzes wegen freie Fahrt. Kein muffiger Bergbauer darf ihnen fortan die Piste mit Brettern vernageln oder durch Sandstreuen verpatzen – auch wenn ihn die Zweckentfremdung seiner verschneiten Wiesen als Wintersporttummelplatz noch so sehr wurmt. Kurz vor der Sommerpause beschloß der Landtag zu München einstimmig, eine „Dienstbarkeitsklausel“ in das bayerische Zwangsabtretungsgesetz einzufügen, die den „ungehinderten Betrieb öffentlicher Ski- und Rodelabfahrten zu Gunsten Wintersportler“ sichern soll. In Tirol habe man mit einem ähnlichen Gesetz bereits gute Erfahrungen gemacht, erfuhren die Abgeordneten. In Bayern wie auch im Nachbarland hatten in den letzten Jahren renitente Grundbesitzer auf Skiabfahrten Stacheldrahtfallen ausgelegt.

Die Antragsteller von der CSU hatten zu ihrem Anliegen erklärt, es handle sich keineswegs um eine besitzfeindliche Maßnahme, vielmehr um einen Beitrag zur Sicherung der Existenzgrundlage von Wintersportorten. Ein SPD-Abgeordneter beanstandete zwar nicht die Sache als solche, wohl aber das Flickwerk an einem 135 Jahre alten Gesetz. Denn der Skipisten-Paragraph wird in eine Verordnung eingewickelt, die vom Bayernkönig Ludwig I. stammt.

G. K.