Von Adolf Metzner

Das Präsidium des Deutschen Sportbundes hat auf Vorschlag Willi Daumes beschlossen, an die Bundesregierung heranzutreten, um ein Anti-Doping-Gesetz zu erwirken. Bereits Ende August will Präsident Daume beim Innenministerium, das für den Sport zuständig ist, vorstellig werden. Daume begründet dies Verlangen damit, daß in Belgien und Frankreich bereits solche Anti-Doping-Gesetze bestünden.

Hier müßte sofort die Gegenfrage gestellt werden: Haben sich diese Gesetze dort auch bewährt? Warum folgten die übrigen 100 Staaten in der Welt, in denen Sport getrieben wird, bisher nicht in größerer Zahl dem Beispiel Belgiens und Frankreichs, wo durch den so populären Profiradsport ganz besondere Verhältnisse vorliegen.

Kann der deutsche Sport mit seinen eigenen Sportgerichten wirklich nicht Herr dieses Übels werden? Muß unbedingt nach dem Kadi und damit auch nach der Polizei gerufen werden, die in Belgien hier schon böses Blut gemacht hat.

Man stelle sich vor, eine Grundgesetzänderung nur wegen des Dopings! Für die krassen Fälle reichen unsere Strafgesetze aus – zum Beispiel eine Anklage wegen fahrlässiger Tötung. Und nun soll jeder kleine Sünder, der einmal ein paar Pillen schluckt und erwischt wird, gleich vor den Richter und vielleicht sogar ins Gefängnis?

Hier gibt es fatale Parallelen zu den umstrittenen Paragraphen „der Trunkenheit am Steuer“, die ja auch der Bundestag fabriziert hat. Sollen nun die Sportler auch noch dazu beitragen, daß wir wirklich ein Volk der Vorbestraften werden?

Was für den Autofahrer der Führerscheinentzug, ist für den Sportler „die Sperre“. Sie ist eine sehr wirksame Strafe und sollte, durch die Sportgerichtsbarkeit ausgesprochen, in 99 Prozent aller Fälle ausreichen. Das restliche eine Prozent, die eigentlichen Delikte, könnte nach den bestehenden Strafgesetzen geahndet werden. Wozu also ein neues Gesetz? Wird hier nicht drakonisch die primitive Abschreckungstheorie praktiziert? Warum überhaupt noch eine nationale Lösung in einer Ära, in der sich die Grenzen in Europa bereits verwischen? Das Dopingproblem kann nur supra-national von den großen Weltfachverbänden in Verbindung mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) gelöst werden.