Bonn

Bonns Image ist bedroht. Bonn, einst keltische Niederlassung, römisches Kastell, frühchristliche Kultstätte, Marktvorstadt, Residenz der Kölner Erzbischöfe, dann Beethoven- und Universitätsstadt, Bonn, „in eine reizvolle Parklandschaft eingebettet“, „Ausgangspunkt für Reisen an den romantischen Rhein“, dieses Image ist bedroht.

Denn nicht die historischen, kulturellen oder landschaftlichen Aspekte sind entscheidend für Bonns Reputation, entscheidend ist vielmehr ihre vorläufige Funktion als Bundeshauptstadt.

Mit Bonn wird assoziiert: Hauptstadt, Regierungssitz, Bundespräsident, Bundeshaus und Bundestag, erst in beträchtlichem Abstand folgen als Assoziationen Beethoven, Universität und Rhein. Dies und anderes ergab eine Repräsentativbefragung des Instituts für angewandte Sozialwissenschaft (Bad Godesberg). Fällt 21 Prozent der Bundesbürger insgesamt bei Nennung des Namens Bonn überhaupt nichts ein, so ist der Anteil der „Einfallslosen“ in Norddeutschland nur 10 Prozent und steigt in Bayern zusehends auf 33 Prozent, in Baden-Württemberg gar auf 38 Prozent.

Nur 40 Prozent der von „Infas“ Befragten glauben „ganz allgemein“ an Bonns „guten Ruf“; 21 Prozent meinen, Bonn sein „weniger angesehen“ und 39 Prozent stehen dieser Frage unentschieden gegenüber. Die Gründe für die positive Bewertung sind in erster Linie in der Zufriedenheit mit der Regierungspolitik zu suchen; für viele genügt es bereits zu wissen, daß Bonn Hauptstadt ist. Erst an dritter Stelle wird von der politischen Funktion Bonns abgesehen und hervorgehoben, es handle sich um eine „schöne, nette, ruhige Stadt am Rhein“.

Für Bonns geringes Ansehen sorgt bei der Mehrzahl der Interviewten ihre Abneigung gegen die „schlechte Politik“, die dort „gemacht“ werde. Der kleinstädtische oder gar provinzielle Eindruck, den die Stadt bei einigen Besuchern hinterläßt, wird weitaus seltener als Manko empfunden. Und dieser Vorwurf richtet sich wiederum nicht gegen Bonn „an sich“, sondern gegen Bonn als Regierungssitz.

Bonns Image ist also bedroht, weil für die Mehrheit der Bundesbürger Bonn und Regierungspolitik identisch sind. Je höher der Grad der Identifikation mit der Koalitionspolitik, desto besser das Image der Bundeshauptstadt: CDU-Anhänger sind am stärksten (zu 44 Prozent) vom „guten Ruf“ dieser Stadt überzeugt, die SPD-Anhänger immerhin zu 40 Prozent. Je oppositioneller die Haltung gegenüber der Regierung, desto negativer die Einschätzung Bonns: nur 21 Prozent der potentiellen DFU-Wähler glauben an den „guten Ruf“ der Stadt.