So wurde nun das Grab der Mutter des Marschalls Tschiang-kai-schek geschändet. Es wurde zerstört und eingeebnet, wie der offizielle Text aus China meldet. Um einem dringenden Bedürfnis abzuhelfen ...

Oder sollte es sich da um unkontrollierte Banditen und einen Anfall von Tollwut gehandelt haben?

Das Grab befand sich im Südwesten Chinas, in einer abgelegenen, gebirgigen Gegend. Es war ein ermüdender Anmarsch nötig; kein Ziel für Tollwütige. Und von unkontrollierten Banditen kann erst recht keine Rede sein. Denn wer die Grabschänder waren, verschweigt die Meldung nicht: „Rotgardisten und arme Bauern“ ...

Es mag ja sein, daß der Akt der Barbarei Entsetzen unter der chinesischen Bevölkerung hervorgerufen hat; die rote Regierung jedoch verurteilte die Schandtat keineswegs. Im Gegenteil! Sie ließ melden, daß die Zerstörung des Grabes „Freude in die Herzen aller guter Revolutionäre gesenkt“ habe.

Welch Enthusiasmus für die simple Tatsache, daß es den Herrn von Formosa, den Gegner des rotchinesischen Systems, in der Seele treffen mußte, als er erfuhr, daß das Grab seiner Mutter geschändet wurde. „Rotgardisten und arme Bauern“! Schon diese Formel verrät, daß der Sadismus organisiert war. Sie können ihrem Feind auf Formosa nicht ans Leder. Da lassen sie am Grabe seiner Mutter den behördlich verordneten Volkszorn aus.

Es ist es nun auch in Westeuropa üblich geworden, daß sich dem Aufmarsch der protestierenden Jugend einige Revoluzzer beigesellen, die schöne grelle Plakate mit Mao-Zitaten tragen. Aber vergessen wir nicht, daß beispielsweise die wohlfeile „Mao-Fibel“ nicht nur von solchen gekauft wird, die das kleine rote Büchlein effektvoll herumliegen lassen wollen. Nein, es gibt auch in Deutschland Leute, denen die gesammelten Mao-Sprüche bei andächtiger Lektüre zu goldenen Worten der Weisheit werden. Unmöglich weiß Mao von der Grabschändung.

Oder doch?

Die offizielle Meldung schließt: „Die Zerstörung ist ein großer Sieg des Gedankens von Mao Tse-tung.“