Von Ben Witter

Elisabeth Flickenschildt stand mitten in der Traunsteiner Bahnhofshalle. „Kennen Sie die Gegend?“ fragte sie mich. Ich sagte: „Den Bahnhof kenne ich vom Durchfahren, und ich kenne Leute, die jedes Jahr hierher reisen.“

„Abgesehen von diesen Leuten“, sagte sie, „die Menschen tun mir alle leid, doch ich bin friedlich und heiter.“ Zwei Ehepaare in Regenmänteln mit dazu passenden Kappen kamen uns entgegen. „Wie sie gucken“, sagte ich.

„Sie haben noch den neunzehnhundertfünfundvierziger Blick“, sagte sie, „das ist der Blick, der alles entblättert und auskundschaftet. Ich begegne ihm auch am Theater. Mich interessiert dagegen alles, was nebulos ist. Ich weiß zwar, was Wallenstein denkt; aber was irgend jemand im Zug denkt oder mein Nachbar, das weiß ich nicht.“

Elisabeth Flickenschildt schaute auf das Kloster „Maria Eck“, und mit einer Stimme, die zu dem Blick und diesem Kloster paßte, sagte sie: „Etwa vierhundert Jahre wird es her sein, da stand vor Holzfällern dort drüben im Wald plötzlich ein Licht. An der Stelle wurde dann später das Kloster gebaut.“ Sie strich über ihr schwarzes Kopftuch und drückte meinen Arm. Wir gingen im Gleichschritt weiter.

„Die Farben ringsumher passen immer besser zusammen“, sagte sie, „in meinem Haus und auf dem Hof passen alle Farben aber genau zusammen, und die Gerüche passen zu den Farben. Ich brauche Farben und Gerüche, die zusammen passen.“

Ich bekam Toast, Butter und Rührei. Zwei Scheiben Melonen sollte ich zum Nachtisch essen, die Farben paßten genau zu den anderen Farben, und Elisabeth Flickenschildt meinte, die Melonen müßten auf dem Teller bleiben und bis abends ein schönes Bild geben.