Wer die Entwicklung der Ausgabepreise der Investment-Fonds nur über einen relativ kurzen Zeitraum hinweg verfolgt, kann aus dem Ergebnis kaum Schlüsse auf die Tüchtigkeit des jeweiligen Anlage-Managements ziehen. Erst wenn ein Fonds über mehrere Jahre lang im oberen Drittel der Erfolgstabelle liegt, wird man von einer guten Qualität des Managements sprechen dürfen. Dennoch sind auch Zwischenergebnisse aufschlußreich. Besonders wenn sie einen so interessanten Vergleichszeitraum zur Grundlage haben wie die Sommermonate des Jahres 1968.

Auffällig ist zunächst einmal der gute Start von Investors Fonds, der zur Familie Investors Overseas Services (IOS), Panama, gehört, deren deutscher Repräsentant der ehemalige Vizekanzler Dr. Erich Mende ist. Der Fonds, der dem deutschen Investment-Gesetz unterliegt, aber international investiert, wurde am 20. März 1968 gegründet. In der Zeit vom 1. April bis zum 31. Juli stieg der Ausgabepreis seiner Zertifikate um 9,8 Prozent. Das ist um so bemerkenswerter, als nur 35 Prozent des Fondsvermögens in deutschen Aktien angelegt waren, die in diesem Sommer kräftig nach oben strebten. Investors Fonds hat aber auch außerhalb der deutschen Börsen erfolgreich gearbeitet. Rund 13 Prozent des Fondsvermögens (am 30.6.: etwa 31 Millionen Mark) wurden am Halbjahres-Ultimo in bar gehalten. Unter Berücksichtigung der zeitweise labilen Börsenverfassung in Wallstreet und bei uns war das wahrscheinlich keine falsche Politik.

Der Erfolg von Investors Fonds wäre weniger spektakulär, wenn nicht der ungefähr zur gleichen Zeit gestartete Neckermann-Fonds (Luxemburg) die Vier-Monats-Bilanz mit einem kleinen Minus von 0,2 Prozent abgeschlossen hätte. Der Neckermann-Fonds kann ebenso wie Investors in der ganzen Welt investieren. Der Mißerfolg von Neckermann beruht in erster Linie in seinem hohen französischen Engagement. Wie viele andere hatten auch die Anlageexperten von Neckermann mit einer Hausse in Paris gerechnet. An ihrer Stelle kamen die Studentenunruhen und der verhängnisvolle Generalstreik – und damit eine Baisse, die den französischen Aktienbesitz zum Verlustgeschäft machte. Am 30. Juni hatte Neckermann noch 12 Prozent seines knapp 40 Millionen Mark betragenden Fonds-Vermögens in französischen Werten angelegt. Inzwischen ist dieser Posten fast völlig abgebaut worden, wahrscheinlich mit Verlust. – Das Ergebnis: Investors hat vor seinem Konkurrenten Neckermann einen Vorsprung von rund 10 Prozent, der rasch sicherlich nicht aufgeholt werden kann.

Ohne Zweifel enttäuschend ist auch die Entwicklung bei Geodeka, dem internationalen Fonds der deutschen Sparkassenorganisation. Als er im vergangenen Jahr gegründet wurde, rühmten seine Väter das „aggressive“ Konzept. Sein Ziel sollte es sein, die Anleger am „Wachstum“ profitieren zu lassen. Viel ist bisher nicht daraus geworden. Innerhalb von vier Monaten nur 1,9 Prozent. Es genügt eben nicht, aggressiv sein zu wollen, sondern man muß es auch können. Dafür bedarf es eines Anlagemanagements, das sich in seinen internationalen Entscheidungen nicht nur auf gutwillige Geschäftspartner jenseits des Atlantiks stützen darf, sondern auch auf solche Experten, die ihre Tips nicht gerade konstenfrei erteilen.

Zu den erfreulichsten Erscheinungen der vergangenen Monate gehört die Wertsteigerung der Zertifikate von Intervest, dem internationalen Fonds der Deutschen Gesellschaft für Wertpapiersparen (Gründung einer Reihe von Privatbanken unter Führung der Deutschen Bank). Obwohl sich Intervest nicht auf deutsche Aktien stützen kann (warum eigentlich nicht, eine Änderung der Satzung wäre doch wohl überlegenswert?), bucht dieser Fonds ein Plus von 9,6 Prozent. Bisher verwalteten deutsche Fonds-Gesellschaften ihre internationalen Portefeuilles mehr oder weniger mit der „linken Hand“. So sah dann auch das Ergebnis aus. Einem Vergleich mit den großen internationalen Fonds des Auslandes hielten die deutschen Fonds nicht stand. Zeichnet sich bei Intervest eine Änderung ab? Oder ist der gute Erfolg nur ein Zufall?

Daß Agefra, ein Fonds für französische Aktien, in diesem Sommer um 9,1 Prozent zurückfiel, ist nicht seine Schuld. Gegen die Börsentendenz können Länderfonds eben nicht erfolgreich operieren, wie wir, meine verehrten Leser, in den zurückliegenden Jahren an den deutschen Fonds gesehen haben. Deshalb stellt sich die Frage, ob in einem Land mit völlig freiem Kapitalverkehr wie die Bundesrepublik die Anlage von Spargeldern in reinen deutschen Länderfonds überhaupt zu verantworten ist. Die Fonds können, wenn sie glückhaft operieren, in Hausse-Zeiten etwas mehr als den prozentualen Anstieg des Aktienindex erwirtschaften und in Baisse-Perioden bestenfalls die Verluste mildern. Völlig ausweichen können sie ihnen selbst dann nicht, wenn sie der Meinung sind, daß eine langanhaltende Schwächeperiode an der Börse bevorsteht. Was für Agefra und für die deutschen Fonds mit lediglich deutschen Aktien gilt, trifft ebenso für die „echten“ Amerikaner, also für die von der amerikanischen Börsenkontrollbehörde SEC überwachten Fonds zu, denen die Anlage außerhalb der USA durch Steuerhürden praktisch unmöglich gemacht ist.

Eine problematische Einrichtung stellen neben den Länderfonds auch die Branchenfonds dar. Wir kennen sie bei uns in Gestalt von Adiverba (Banken und Versicherungen) und des Brauereifonds. Wer Branchenfonds erwirbt, spekuliert darauf, daß „seine“ Branche ein überdurchschnittliches Wachstum aufweisen wird. Da aber Branchen niemals gleichmäßig über viele Jahre hinaus wachsen und andere Wirtschaftszweige plötzlich bessere Chancen aufweisen, darf man bei den Branchenfonds das Verkaufen nicht vergessen. Deshalb bleiben Branchenfonds meist klein oder werden zu Schrumpffonds. Das besonders dann, wenn ihnen wie im Falle des Brauereifonds eine breite Absatzbasis für seine Zertifikate fehlt.