Von außen sieht es aus wie ein Negerkral aus Aluminium, innen quieken 460 Ferkel. BSB-Farm heißt die moderne Schweinefabrik, die nach den Vorstellungen ihrer Hersteller die Produktion von Schweinefleisch revolutionieren soll.

Was bisher nur bei Hähnchen geschah, soll nun auch bei der Schweinemast eingeführt werden: die fabrikmäßige Aufzucht unter genau kontrollierten Bedingungen. Um Raum und Wege zu sparen, ist der Schweinestall rund, die Boxen der Tiere sind auf zwei Stockwerken kreisförmig angeordnet.

Die für die Pflege der Tiere notwendige Arbeitzeit ist auf das äußerste beschränkt worden. Die Schweinefabrik arbeitet fast vollautomatisch. Sie wird ständig mit keimfreier Luft versorgt, der Mist fließt von selber ab, Wasser erhalten die Tiere aus einer automatischen Tränke. Das Wasser läuft, sobald die Schweine mit der Schnauze den Deckel anheben.

Das Futter kommt aus einem Fertigfuttersilo. Zu den festgelegten Zeiten schaltet eine Uhr die Fütterungsanlage an. Aus einem Rohr, das über die Schweineboxen hinwegschwenkt, wird das trockene Mischfutter in die Boxen geschüttet. Pro Minute können so maximal 90 Kilo Futter über die Schweine ausgeschüttet werden. Wird eine individuelle Versorgung der Tiere gewünscht, läßt sich die Anlage auch auf Hand schalten. Innerhalb von dreieinhalb Minuten kann dann ein Mann den Schwenkarm über alle Boxen hinwegführen. Insgesamt reicht täglich eine Arbeitsstunde für die Versorgung jedes Schweinesilos aus.

Die auf engem Raum bei Dämmerlicht untergebrachten Schweine setzen aus Mangel an Bewegung, bei angenehmer Temperatur und keimfreier Luft das zugeführte Futter sehr rasch in Fett und Fleisch um. So wird jede Schweine-Belegschaft innerhalb von 126 Tagen auf das nötige Schwergewicht gebracht. Innerhalb eines Jahres können 1300 Ferkel die automatische Farm auf ihrem Weg von der Zuchtanstalt in den Kochtopf passieren.

Die gesamten Baukosten für eine Schweinefabrik betragen 145 000 Mark. Wegen der niedrigen Arbeitskosten, geringer Sterblichkeit, ermäßigter Prämien für die Tierversicherung und anderen Ersparnissen lassen sich nach Rechnung der Verkäufer ansehnliche Gewinne erzielen. Bei einem Schweinepreis von 2,40 Mark je Kilo Lebendgewicht kommen sie beispielsweise auf einen Jahresgewinn (vor Steuern) von fast 60 000 Mark.

Zum großen Erstaunen des Verkäufers, in Deutschland der „Internationale Dienst für Betriebsberatung und Marktforschung“, halten sich die Bauern vorläufig noch zurück. Dabei scheint die Anlage für Erzeugergemeinschaften wie geschaffen. Die Versuchs- und Demonstrationsanlage auf Gut Hülsenberg in Schleswig-Holstein wird vor allem von Interessenten aus anderen Wirtschaftsbereichen besucht, die nach einer guten Kapitalanlage suchen. mj