Von Marietta Riederer

Die Pariser Haute Couture unterliegt verschiedenen Einflüssen. Eine geheime Sehnsucht nach der Boutique-Mode des prêt-à-porter und ein Ausweichen in die Folklore spielen eine unterschwellige Rolle.

Eines haben die Kollektionen jedoch gemeinsam: der weibliche Körper wird nicht mehr versteckt oder kastenartig getarnt. Die Linie ist sensuell, gestreckt und geschmeidig. Die Rocklängen reichen von fünfzehn Zentimeter über dem Knie bis fünfzehn Zentimeter oberhalb der Fesseln. Kniefrei dominiert.

Ebenso dominiert Schwarz. Es erhält Glanz durch üppigen Goldschmuck und durch die Stoffe. Schwarze Pailettenstoffe für Blazer, auch für Faltenröcke (Dior), bringen sogar Hochglanz in die schwarze Mode. Auch läßt sich Schwarz mit Weiß (Duchessekragen zu passenden Manschetten oder mit Pierette-Kragen) recht fröhlich gestalten. Besonders wenn solche Kleider (Patou und Ricci) bis in Nabelhöhe geschlitzt sind und offen bleiben, als hätte man die Knöpfe vergessen. Bei den neuen Tiefschlitz-Dekolletes ist gerade Haltung sehr zu empfehlen. „Sitzend“ wurde bisher noch keines dieser Modelle gesichtet.

BHs und Mieder haben hier und bei vielen schräggeschnittenen Satinkleidern, die dem Körper entlanggleiten und ihn zeigen wollen, keine Funktion mehr. Geschweige denn bei der Schar der deutlich „Durchsichtigen“.