(II)

Von L. A. Besymenski

Am 9. Mai 1945 verfolgte (Wassilij Iwanowitsch) Gorbuschin (vom Abwehrdienst der 3. Stoßarmee in Berlin) eine komplizierte, unklare Fährte. Er sollte herausfinden, ob die im Garten der Reichskanzlei gefundenen Leichen ganz sicher die von Adolf Hitler und Eva Braun waren. Die Gruppe Gorbuschin hatte beschlossen, die Beweise auf Grund der ärztlichen Empfehlungen zu suchen. Beim Sezieren hatten die Ärzte Kieferknochen mit vielen künstlichen Brücken, Kronen und Füllungen in Verwahrung genommen. Zur Identifizierung fehlten also nur noch Hitlers Zahnärzte. Gorbuschin erzählt:

„Morgens am 9. Mai zog ich aus, um nach Hitlers Zahnärzten zu suchen. In der Klinik von Prof. Blaschke wurden wir von einem Dr. Bruck empfangen. Als Bruck erfuhr, daß wir seinen Chef wegen einer für die sowjetische Truppenführung wichtigen Angelegenheit sprechen wollten, teilte er mit, daß der Professor selbst nicht im Hause sei (er war geflohen – D. Z.), und fragte, ob eine Assistentin des Professors, Käthe Heusermann, ihn vertreten könne.

‚Wo ist die Krankengeschichte über die Zähne Adolf Hitlers?‘ fragte ich Käthe Heusermann. Frau Heusermann suchte schnell nach und zog aus dem Karteikasten eine Karte heraus. Die Eintragungen zeugten davon, daß der ,Führer‘ sehr schadhafte, mehrmals reparierte Zähne gehabt hatte.

Wir brauchten auch die Röntgenbilder der Zähne Hitlers, aber die gab es in der Klinik nicht. Ohne uns weiter aufzuhalten, fuhren wir zusammen mit Käthe Heusermann zur Reichskanzlei. Hier stiegen wir in den Keller hinunter, fanden den zahnärztlichen Behandlungsraum von Prof. Blaschke und entdeckten bald mit Hilfe von Frau Heusermann Röntgenbilder von den Zähnen des ‚Führers‘ und einige fertige Goldkronen, die ihm aufzusetzen sein Zahnarzt keine Zeit mehr gehabt hatte.

Käthe Heusermann teilte mir mit, daß Kronen und Brücken für Hitler und Eva Braun von dem Zahntechniker Fritz Echtmann angefertigt worden seien, dessen Adresse sie kannte. Später trafen wir Echtmann zu Hause an.