Ich sprach Prof. Krajewskij auch auf eine Besonderheit an, die bei der Sektion der inneren Organe Hitlers festgestellt worden war: das Fehlen einer Hode. In der Medizin wird dieser Mangel als „Monorchismus“ bezeichnet. Krajewskij bemerkte dazu, daß der Monorchismus ziemlich oft vorkomme und in der Regel angeboren sei: Männer mit einer solchen Erscheinung könnten durchaus ein normales Sexualleben führen.

In der Literatur wurde dieser angeborene Fehler Hitlers bisher nicht erwähnt. Allerdings erinnerte sich Professor Hans Karl von Hasselbach, einer von Hitlers Ärzten, daß der „Führer“ es immer entschieden abgelehnt habe, sich einer ärztlichen Untersuchung zu unterziehen. Es ist denkbar, daß seine Abneigung mit dieser körperlichen Abnormität zusammenhing.

Hitler ist in der festen Gewißheit gestorben, alle Spuren seines leiblichen Daseins würden restlos getilgt werden. Aber sowjetische Granaten und der unerträgliche Gestank der brennenden Leichen hinderten seine Untergebenen daran, diesen letzten Führerbefehl vollständig auszuführen.

Ende Mai wurden die Ergebnisse (der Untersuchung) der höchsten sowjetischen Staats- und Armeeführung unterbreitet. Sie hat die medizinische Untersuchung als endgültig anerkannt; deshalb wurden die Leichen jetzt völlig verbrannt; die Asche überließ man den Winden. Der Chef der Verwaltung „Smersch“ der 1. Weißrussischen Front, Generalleutnant A. Wadiss erstattete darüber am 3. Juni 1945 Meldung nach Moskau.

Wo ist der Kammerdiener?

Wie bekannt, wurden aber damals die Ergebnisse der Untersuchung nicht veröffentlicht, und die Nachforschungen liefen weiter. War man in Moskau deshalb so skeptisch, weil man sich nicht mit der Tatsache abfinden wollte, daß Hitler der gerechten Strafe „entkommen“ war? Diejenigen, die diesen Fall untersuchten, erinnern sich, daß andere Erwägungen eine viel größere Rolle spielten. Erstens wurde beschlossen, vorerst keine Ergebnisse der gerichtsmedizinischen Expertise zu veröffentlichen, sondern sie für den Fall „zurückzuhalten“, daß irgend jemand in die Rolle des „durch ein Wunder geretteten Führers“ schlüpfen würde. Zweitens wurde beschlossen, die Untersuchung weiterzuführen, um auch wirklich jede Möglichkeit eines Fehlers oder der Irreführung auszuschließen. Da die sowjetischen Untersuchungsorgane über eine große Anzahl von Personen verfügten, die sich im Bunker der Reichskanzlei aufgehalten hatten, wollte man auch von ihnen eine Antwort auf die Frage erhalten, ob Hitler grundsätzlich imstande gewesen wäre, damals aus Berlin zu entkommen.

Heute wissen wir, daß diese vorsichtige Art der Untersuchung durchaus gerechtfertigt war. In den letzten Tagen der Schlacht um Berlin konnten gar nicht wenige aus dem Schutzbunker der Reichskanzlei entkommen. Die Pilotin Hanna Reitsch, Reichsjugendführer Arthur Axmann und Staatssekretär Werner Naumann konnten allen sowjetischen Sperren glücklich ausweichen, gar nicht zu reden von Martin Bormann und Gestapochef Heinrich Müller, deren Schicksal bis heute noch nicht geklärt ist. Heinrich Himmler ließ sich falsche Papiere ausstellen und geriet nur durch Zufall in die Hände der Engländer. Ein derart bekannter Mann wie der Gauleiter von Ostpreußen und Reichskommissar der Ukraine, Erich Koch, konnte sich in Westdeutschland bis 1950 versteckthalten.