Durch „moralischen Druck“ will der amerikanische Präsident die US-Stahlproduzenten zu einer Rücknahme ihrer Preiserhöhung bewegen. Der gerade abgeschlossene Tarifvertrag, der eine Lohnerhöhung um rund sechs Prozent mit sich bringt, dient ihnen als willkommener Anlaß für den Versuch, eine allgemeine Preiserhöhung um etwa fünf Prozent durchzusetzen. Natürlich würden die Stahlproduzenten den Verdacht weit von sich weisen, wie ein Kartell zu handeln, dessen Mitglieder über ihr Preisverhalten Absprachen treffen.

Die Preiserhöhung war vorauszusehen, und Johnson hätte sie auch hingenommen, wenn sie sich im Rahmen des seit 1962 bestehenden gentlemen’s Agreement bewegt hätte, daß immer nur die Preise einiger Produkte heraufgesetzt werden. Johnson droht nun mit dem Entzug von Rüstungs- und zivilen Regierungsaufträgen. Es ist aber fraglich, ob er ebenso hart vorgehen wird wie Kennedy, der es 1962 auf eine Kraftprobe mit der mächtigen Stahlindustrie ankommen ließ – und gewann.

Fraglich ist allerdings auch, wie sich die jüngsten Preiserhöhungen auf die Wettbewerbslage der amerikanischen Produzenten auswirken, die schon seit langem bewegte Klagen darüber führen, daß sie auf ihrem heimischen Markt von billigen europäischen und japanischen Stahlimporten bedroht werden. Bei der Regierung werden sie durch ihre jetzige Maßnahme kaum neue Sympathie für ihren Ruf nach Importkontingenten wecken. er