Präzise drei Jahre nachdem der Aufsichtsrat der Vereinigten Flugtechnischen Werke GmbH (VFW) in Bremen der Entwicklung des ersten deutschen Verkehrsflugzeuges nach dem Zweiten Weltkrieg zugestimmt hatte, erhielten die VFW-Techniker jetzt endgültig grünes Licht

Es soll ein kleines Flugzeug werden für 36 bis 44 Passagiere oder für 4,5 Tonnen Fracht, aber natürlich ein Jet.

Zäh mußten Bremens Flugzeugbauer gegen viele Schwierigkeiten ankämpfen. Von Anfang an als internationales Projekt konzipiert, dachte man vor drei Jahren an ein europäisches Triumvirat, dem neben VFW die holländische Firma Fokker und das britische Unternehmen Short Brothers angehören sollten. Dann bot sich statt Short Hawker Siddeley als Partner an – und sprang wieder ab.

Nun teilt sich VFW die Arbeit mit folgenden Partnern: Fokker (Niederlande), Scaba (Belgien), Short (Großbritannien) und Bölkow/Messerschmitt (Bundesrepublik).

Doch als die Partner gefunden waren, stoppte Krupp-Chef Günther Vogelsang in diesem Frühjahr die Arbeit; das finanzielle Risiko war ihm zu groß. Inzwischen war nämlich die Schätzung der Entwicklungskosten von ursprünglich 80 über 120 auf 180 Millionen Mark gestiegen.

Kern der Befürchtungen war die Bestimmung, wonach die Unterstützung des Bundes in Höhe von 60 Prozent der Entwicklungskosten als Darlehen gegeben werden sollten, die auch bei einem Mißerfolg rückzahlbar gewesen wären. Nach einer Änderung gibt es nunmehr Zuschüsse des Bundes, die nur im Erfolgsfall zurückgezahlt werden müssen. Auch kann der Bund 80 Prozent der Kosten übernehmen. Damit war der Weg frei für die 614, von der VFW nach einer genauen Marktanalyse mindestens 350 abzusetzen hofft.

Ein Verzicht hätte zudem bedeutet, daß der Bund rund 90 Millionen Mark abschreiben müßte, die für die Entwicklung der Triebwerke an Rolls-Royce zu zahlen sind. Die Bremer haben dieses Problem elegant gelöst: Die Engländer bekommen die Hälfte der Entwicklungskosten als Kredit aus der Devisenhilfe.

Ende 1970 – ein Jahr später als ursprünglich geplant – soll nun der erste Prototyp fertig sein. „Im Januar 1971 wollen wir das Ding in der Luft haben“, hofft Projektleiter Dr. Stüssel. hm.