Der Bannstrahl des Papstes traf die Pillenhersteller, als alle Schwierigkeiten überwunden schienen. Jahre hatte es gedauert, bis die Befürchtungen der Frauen und Ärzte – die Pille verderbe den Geschlechtsgenuß, sie fördere Krebs, mache dick und für immer unfruchtbar – überwunden waren.

Doch die Chemieindustrie ist zuversichtlich. Das Urteil des Papstes wird den Regierungen einiger Länder in Südeuropa und Südamerika den Rücken für ein unhaltbares Verbot stärken. Im übrigen aber ist der Siegeszug der chemischen Verhütung nicht mehr zu bremsen.

Rund 25 Millionen Frauen in aller Welt schlucken täglich die Pille. In Australien sind es 25 Prozent aller gebärfähigen Frauen, in den USA rund 20, in Schweden 19 und in Deutschland etwa 13 Prozent (1,4 Millionen). Der Weltumsatz mit Antibabypillen beträgt schätzungsweise 1,8 Milliarden Mark. Darin teilen sich über dreißig Hersteller.

In Amerika wird die Bevölkerungskontrolle mittels Pille von der Regierung offiziell gefördert. Im vorigen Haushaltsjahr gingen 140 Millionen und im neuen Haushaltsjahr 200 Millionen Mark für diesen Zweck an die Agency for International Development. Und die Ford Foundation gab 60 Millionen Mark für die Entwicklung einer neuen, noch komfortableren Pille.

Eines der führenden Unternehmen auf dem Gebiet der Kontrazeptiva, die deutsche Schering AG, arbeitet an der Entwicklung der Drei-Monats-Pille und an einem Präparat für den Mann. Mit der Bundesrepublik verhandelt Schering seit geraumer Zeit über Geschäfte mit der Pille im Rahmen der Entwicklungshilfe. Auf den Kurs der Aktien des Unternehmens hatte die päpstliche Enzyklika keinen Einfluß. of.