Von Walter Hinderer

Der Name Eduard Mörike hat Klang. Man verbindet mit ihm schwebende Grazie, Anmut, „reine Luft der Poesie“. Obwohl er Dinge geschaffen hat, die nach Romano Guardini „in der Hand liegen wie eine griechische Schale: ganz offen gewordene Innerlichkeit, ganz leicht gewordenes Lebensgewicht“, hielt man es in der Literaturgeschichte offensichtlich längere Zeit mit Paul Heyse: „Den Narren sagen, was ich an Mörike habe – daß ich ein Narr wäre!“

Heine war hier weniger zurückhaltend: „Man sagt mir, er besinge nicht nur Maikäfer, sondern sogar Lerchen und Wachteln, was gewiß sehr löblich ist.“

Selbst innerhalb der Mörike-Gemeinde, wo man seit Friedrich Theodor Vischer „den Dichter nicht nach rednerischen Worten schätzt“, sondern „den feineren Wohllaut trinkt, der aus ursprünglichem Naturgefühl der Sprache quillt“, gab es von Anfang an gewisse Zweifel: „Wir möchten Mörike stärkere Assimilationsorgane oder, um es deutsch zu sagen, derbere poetische Freß- und Verdauungswerkzeuge wünschen“ (David Friedrich Strauß). Der „Sohn des Horaz und einer feinen Schwäbin“ wird hier zwar noch nicht als „niedlicher Zwerg“ (Georg Lukács) abgewertet, aber man kritisierte schon das berüchtigte „Laß, o Welt, o laß mich sein!“, forderte mehr Wirklichkeit und philosophische Ideen. „Märchen sind Arabesken“, schreibt Vischer etwas verächtlich, wünscht sich von Mörike ein Drama und prophezeit: „... wenn Du Dich in diesem Gebiete der Elfen, der sichern Männer, der Geister, der Salamander fixierst“, wirst du „Deinen großen Genius verpuffen“.

Dieser Aufforderung antwortete Mörike mit absolutem Rückzug auf sich selbst: und die Hauptsache muß doch aus der Tiefe des eigenen Wesens kommen“, schrieb er im Sommer 1830 an Luise Rau.

Diese Hauptsache hat inzwischen, allerdings spät, so behutsame Interpreten wie Herbert Meyer, Benno von Wiese, Margaret Marc, Walter Höllerer und S. S. Prawer gefunden. Ihnen weiß sich Gerhard Storz, der mit seinem neuen Buch

Gerhard Storz: „Eduard Mörike“; Ernst Klett Verlag, Stuttgart; 408 S., 30,– DM