Bonn

Finanminister Franz Josef Strauß steckt in Geldnöten. Deutschlands höchsten Steuereintreiber drücken diesmal allerdings keine Ausgabesorgen mangels Masse, sondern Komplikationen auf der Einnahmeseite. Strauß hat plötzlich 40 000 Mark zuviel, eine Summe, deren korrekte Verbuchung im Staatshaushalt ebenso diffizil wie die Frage nach Herkunft und Besitzrecht ist.

Denn vierzig neue Tausendmarkscheine kamen unlängst in einem gewöhnlichen Brief ohne „Einschreiben“ oder Wertangabe, ordnungsgemäß mit 50 Pfennig frankiert, an das Bundesfinanzministerium in der Bonner Rheindorfer Straße 108. Der Poststempel nannte Plochingen am Neckar mit der Leitzahl 731 als Aufgabeort, der Absender selbst blieb anonym.

Immerhin bekannte sich der Unbekannte in einem Begleitschreiben als reumütiger Steuersünder, der jedoch, wie die Analyse des Briefes ergab, unter starkem religiös-neurotischem Zwang gehandelt haben dürfte. Er informierte den „sehr verehrten Herr Dr. Strauß“ über eine „gewaltige Veränderung in meinem Leben“, bewirkt durch die Liebe Gottes. Um sein Seelenheil zu retten und seine Sünden wiedergutzumachen, gebe er heraus, „was ich veruntreut habe gegenüber dem Staat“. Vor vielen Jahren habe er Schuld auf sich geladen, „indem ich gegen Gottes Willen dem Kaiser nicht gab, was des Kaisers ist“.

Der Brief mit dem Schlußappell des bekehrten Schuldners – „Nehmen Sie das Geld nicht für Kanonen!“ – wurde abgelegt, die 40 000 Mark wurden zunächst von der Bundeshauptkasse, Sitz Bonn, „in Verwahrung genommen“. Seitdem grübeln private und amtliche Rechts- und Steuerexperten, was mit dem Geld geschehen darf oder muß. Der Absender hatte nämlich nicht angedeutet, welcher Art von Steuerschuld er sich entledigen wollte. Hatte er Umsatz- oder Erbschaftssteuer hinterzogen, hatte er zuwenig Vermögen-, Grund- oder Gewerbesteuer abgeführt?

Erst bei Kenntnis der näheren Umstände könnte entschieden werden, wem die von Strauß kommissarisch verwalteten 40 000 Mark rechtmäßig zustehen – dem Bund allein, dem Land Baden-Württemberg (wo Plochingen liegt), beiden zusammen oder aber der Stadt Plochingen, sofern der ehrliche Zahler dort tatsächlich ansässig sein sollte.

Der Bund kassiert gemäß dem Grundgesetz die Umsatz- und die Umsatzausgleichssteuer komplett, 37 Prozent der Einkommen- und der Körperschaftssteuer, die Ergänzungsabgabe (auf die Einkommensteuer), die Beförderungssteuer sowie alle Zölle und Verbrauchssteuern, darunter die für Tabak und Kaffee, Tee und Zucker, Sekt und Salz, die Spielkarten- und die Mineralölsteuer.