Die Aussagen des Zahnarztes Dr. Kunz über die Ermordung der Goebbels-Kinder scheinen der Wahrheit noch am nächsten zu kommen, wenn man sie mit den verschiedenen Versionen vergleicht, die wir im folgenden zitieren. Die sowjetische Dolmetscherin Jelena Rshewskaja, die zur Fahndungskommission in der Reichskanzlei gehörte, hat geschildert, welchen Eindruck Dr. Kunz damals – Anfang 1945 – bei ihr hinterließ: „Der unrasierte Mann mit den eingefallenen Wangen trug SS-Uniform. Er sprach abgehackt, hastig atmend, und knetete dabei die Finger. Wahrscheinlich war Kunz der einzige hier im Bunker, der seine Empfindsamkeit noch nicht eingebüßt hatte ... Dr. Kunz war aufgewühlt, er konnte das Erlebte nicht abschütteln. Durch einen Zufall war er in die Reichskanzlei gekommen, und nun war er ein gebrochener Mensch. Er hatte an der Tötung der Kinder teilgenommen. Am ersten Tage drehte sich alles, was er sprach, nur um diese Tatsache.“

Erich Kempka: „Dr. Stumpfegger erzählte mir, Goebbels habe ihn gebeten, seine Kinder durch Einspritzung eines schnell wirkenden Giftes aus dem Leben scheiden zu lassen. Er, Dr. Stumpfegger, sei dazu nicht fähig gewesen; in Gedanken an seine eigenen Kinder könne er diese Tat unmöglich mit seinem Gewissen vereinbaren. Goebbels sei verzweifelt gewesen. Um keinen Preis habe er seine Kinder lebend in die Hände des Feindes fallen lassen wollen. Schließlich habe er unter den Flüchtlingen im Kohlenbunker einen Arzt ausfindig gemacht, der für die Einstellung des Ehepaares Goebbels Verständnis gefunden hatte. Dieser Arzt habe den Tod der Kinder herbeigeführt.“

Helmut Haiber: „Wie es geschehen ist, darüber gehen die Berichte der Bunkerinsassen auseinander. Eine von ihnen hat erzählt, Magda hätte selbst mitgewirkt, hätte die schreienden älteren Kinder, die ihr das Märchen von der Traumfahrt nach Schwanenwerder nicht abnehmen wollten, mit Gewalt vor die Spritze des Arztes gezerrt und sei zwischendurch zusammengebrochen, habe sich bei ihr, der Fremden, ausgeweint. Andere wollen Magda mit grauem Gesicht im Gang haben stehen sehen, während hinter der Tür der Arzt – Morell-Nachfolger Stumpfegger, ein Dr. Kunz, ein Professor Haase – ihren Kindern die Injektionen – Evipan, Blausäure – gegeben hätte. Wahrscheinlicher dürfte sein, daß diesen das Gift oder wenigstens ein Schlafmittel in einer Mahlzeit verabreicht worden ist.“

Jürgen Thorwald: „Arglos tranken seine Kinder das Gift, das ihnen in einem süßen Getränk gereicht wurde.“

German Rosanow: „Zuvor ermordet dieses Ungeheuer in Frauengestalt mit Hilfe eines SS-Arztes kaltblütig ihre minderjährigen Kinder. Magda Goebbels ergreift ein Kind nach dem anderen, während der Arzt ihnen Gift injiziert. Damit die Kinder nicht entfliehen können, wird die Tür abgeschlossen. Nach der Ermordung zweier Kinder geht sie auf den Korridor hinaus und bittet die Wache um eine Zigarette. Nach einer kurzen Pause verschwindet sie wieder im Zimmer und ermordet die übrigen.“

Erich Kuby: „... – sie bekamen zunächst einen Betäubungstrank und dann, kurz bevor sie einschliefen und ihr Wille gelähmt war, mit Gift gefüllte Bonbons, die sofort wirkten, wenn sie aufgebissen wurden, oder erst nach einer Weile, wenn sie im Mund zergingen. Dr. Stumpfegger hat nicht nur die Kinder auf diese Weise getötet, sondern auch die Bonbons vorbereitet. Frau Goebbels hat an der Tötung nicht teilgenommen. Sie liebte ihre Kinder wie jede Mutter und harrte verzweifelt im Flur vor dem Raum aus, in dem sich der sechsfache Kindermord zutrug, bis Dr. Stumpfegger heraustrat und ihr stumm zunickte. Darauf brach sie ohnmächtig zusammen und wurde von SS-Wachen in ihr Zimmer getragen.“

Cornelius Ryan: „Nur ein Mensch“, sagt Naumann, „ging in den letzten Minuten, bevor Josef und Magda Goebbels sich das Leben nahmen, ins Kinderzimmer – und das war Magda Goebbels selbst.“