Die Lebensdauer des VW-Käfers hat zugleich Symbolwert für die eher konservative Auffassung vom Marktwert eines Automobils bei deutschen Käufern und der deutschen Automobilindustrie. Nichts liegt einer solchen Auffassung ferner als ein jährlicher Modellwechsel, den die Amerikaner nunmehr auch dem europäischen Markt aufoktroyieren wollen, und es sind gar keine Anzeichen vorhanden, daß die europäische Automobilindustrie, soweit sie von amerikanischen Konzernen unabhängig ist, sich auf so kurze Intervalle einlassen wird.

Auto-Union, BMW, Mercedes-Benz, NSU und VW wechseln ihre Karosserien in erheblich längeren Abständen und ziehen es vor, neue, verstärkte und verbesserte Konstruktionen im alten bewährten Modellkleid unterzubringen (die neuesten BMW-Versionen, die Mercedes 280er Typen, die verbesserten VW-Käfer, der NSU 1200 und 1200 TT). Man geht sparsam um mit den kostbaren Pressen und Werkzeugen und bleibt trotzdem mit dem Interieur laufend auf der Höhe der Zeit. Was die Frage nach äußerer und innerer Sicherheit des Automobils anbelangt, so genügen die deutschen Wagen der Preisklasse über 10 000 Mark allen Anforderungen, und von der neuen Mercedes-Benz-Generation kann man sagen, daß sie sich in dieser Hinsicht von keinem Serienautomobil der Welt übertreffen läßt.

Überhaupt ist in der oberen Mittelklasse von BMW und in der größeren Klasse von Mercedes-Benz, NSU Ro 80 und Porsche keine ausländische Konkurrenz zu fürchten. Der Import drängt allein in die Kategorie 1500 bis 1800 Kubikzentimeter.

Dabei ist es interessant, daß hier nicht nur BMW mit stark verbesserten Typen aufwartet, daß nicht nur der neue VW-Mittelklassewagen vor seinem Debüt steht, sondern daß auch NSU bald, mit einem Mittelklassewagen von gewohnt hoher Motoren- und Fahrwerksqualität in diesen dicht besiedelten Teil des Marktes vorstößt.

Man schließt eine Lücke im Produktionsprogramm zwischen den neuen 1200er Typen und dem Ro 80 mit dem „K 70“. Ein 90-PS-Frontartriebswagen (vier Zylinder), dessen Spitze etwa bei 165 Stundenkilometern liegt, wird mit einer attraktiven viertürigen Karosserie auftreten, die eine Verwandtschaft mit dem Ro 80 nicht verleugnen kann. Bei betont niedriger Gürtellinie und eindrucksvoll verglaster Kabine, Scheibenbremsen vorn und ausgezeichneten Beschleunigungszeiten, wird er sich als ein modernes, sportliches Fahrzeug präsentieren. Die Bezeichnung „K 70“ ist wohl ein Signum für Kolbenmotoren, während „Ro“ die Abkürzung für Rotationsmotoren bleibt.

In der großen Klasse (sie umfaßt immer noch alle Sechszylinder über zwei Liter) wird Mercedez-Benz auf dem Pariser Salon ein Bijou vorstellen: das 250er-Cabriolet der neuen Generation. Es wird den ersten deutschen Sechszylinder mit elektronisch gesteuerter Benzineinspritzung bringen und auch äußerlich ein sehr elegantes Fahrzeug sein, dessen Kabinenform man nicht als so betont eigenwillig empfinden wird wie die Pagode des heutigen 280 SL, die aber in ihrer ästhetischen Formgebung wohl viel Beifall finden, wird.

Auch BMW wird nicht (wie NSU) bis zum kommenden Frühjahr warten, sondern seinen angekündigten Mercedes-Konkurrenten, den Sechszylinder 2,5 Liter, bereits Ende September der Presse vorstellen. Mit zwei Vergasern hat man den Motor auf 150 PS gebracht. Da dieses repräsentative und auch zugleich sportliche Automobil nur das Gewicht der Mercedes-Benz-Vierzylinder-Typen erreicht, ist eine Spitze von 190 Stundenkilometer wahrscheinlich.