Von Georges-Louis Puech

Mitten in der Schlacht wurde das Benzin knapp. Als sich Franzosen und Deutsche 1917 in hartem Kampf gegenüberstanden, blieb der Nachschub aus den Vereinigten Staaten aus. „Im Krieg ist Benzin genauso wichtig wie Blut“, kabelte Georges Clemenceau pathetisch an Präsident Wilson.

Sein Appell wurde zwar in Washington gehört und der Nachschub floß wieder, aber in Frankreich hat man die bittere Erfahrung nie vergessen. Sie gab den Anstoß für eine staatlich gelenkte, unabhängige Energiepolitik. Heute noch – 50 Jahre danach – findet sich das Porträt von Clemenceau auf vielen Dokumenten des staatlichen französischen Ölkonzerns Erap-Elf.

Seit 1928 bemüht sich die französische Regierung, durch eine entsprechende Gesetzgebung die Entwicklung auf dem Erdölmarkt im Griff zu behalten. Die schlechte Erfahrung, die man mit ausländischen Lieferanten gemacht hat, soll sich nie wiederholen.

Die Importkontingente für Rohöl werden allen Mineralölunternehmen vom Staat zugeteilt. Das gleiche gilt für die Einfuhr von Fertigprodukten. Aber nicht nur die Ölversorgung, auch die Verteilung an die Verbraucher wird reglementiert. Die Zahl der Tankstellen wird vom Staat festgelegt und auf die einzelnen Firmen nach Gutdünken der Regierung verteilt.

Kohle, Atomwirtschaft und die Elektrizitätserzeugung sind in Frankreich völlig in den Händen des Staates und genießen in ihrem Bereich eine Monopolstellung. In der Mineralölwirtschaft dagegen existieren private und staatliche, inländische und ausländische Gesellschaften mehr oder weniger friedlich nebeneinander. Das Geschäft teilen sich große internationale Ölgesellschaften wie BP, Esso, Mobil Oil und Shell, die halb staatliche Compagnie Française des Pétroles (Staatsanteil 35 Prozent) und die voll im staatlichen Besitz befindliche Erap-Elf sowie eine private französische Gesellschaft, die Société des Pétroles de l’Atlantique.

Die Compagnie Française des Pétroles (Marke Total) ist zugleich die älteste und größte der französischen Gesellschaften. Sie besitzt rund 15 000 Tankstellen und hat einen Marktanteil von fast 30 Prozent. Es folgt die Gruppe Erap-Elf (Marke Elf). Diese Gesellschaft entstand Anfang 1966 durch die Fusion von BRP und RAP. Sehr schnell und mit einer starken Unterstützung des französischen Staates hat dieses Unternehmen eine gewichtige Position auf dem französischen Markt erobert. Sein Marktanteil ist heute größer als der von Esso und liegt bei 14,5 Prozent.