In Lübeck genügt für die Kunden der Commerzbank eine unscheinbare Lochkarte, um jederzeit – auch außerhalb der Schalterstunden – Bargeld abzuheben. Ein Computer von Telefunken kontrolliert das Konto des Kunden, bucht und zahlt aus – allerdings nicht mehr als 400 Mark auf einmal.

„Kollegen“ des ersten automatischen Kassierers in Deutschland werden heute überall in Europa erprobt. Die Banken versprechen sich von der Automatisierung der Auszahlungen eine Entlastung während der Schalterstunden und natürlich mehr Kundschaft.

In der Schweiz stehen bereits sieben Geldautomaten. Allein in der Bahnhofstraße in Zürich zwei, fünf weitere wurden in Basel, Bern, Genf, Lausanne und St. Gallen aufgestellt. Für den Betrieb dieser Automaten haben sich vier Banken zusammengeschlossen.

Wer Vermögenswerte von weniger als 12 000 Franken auf der Bank hat, muß sich allerdings weiter an die Schalterstunden halten. Der Kunde hätte sonst Gelegenheit, an vier Feiertagen mehr Geld abzuheben, als auf seinem Konto ist. Jeder der Automaten gibt täglich einmal bis zu 500 Franken aus.

Die Automaten sind komplizierte elektronische Anlagen. Für diesen Service müssen die Banken jedesmal rund 60 000 Mark investieren. Hinzu kommen die laufenden Kosten der Unterhaltung, die, wie bei der Anlage in Lübeck und bei einem System in Großbritannien, durchaus ins Gewicht fallen, weil jede Lochkarte nur einmal verwendet werden kann.

In der Schweiz beurteilt man den Erfolg der Aktion zurückhaltender als in Deutschland. Der gewünschte Rationalisierungseffekt, die Kassenschalter von der Auszahlung kleinerer Beträge zu entlasten, ist bisher ausgeblieben.

In Lübeck gibt man sich zuversichtlich. Sicher nicht nur, weil das Spielkasino Travemünde in der Nähe ist oder weil die Skandinavienreisenden Geld umtauschen. Das Experiment geht weiter, und zwar in Kürze mit Geldautomaten in Hamburg und auch in anderen Großstädten. ako