Ebenso widersprüchlich wie im Falle Hitlers sind auch die verschiedenen Augenzeugenberichte über den Selbstmord von Joseph Goebbels und seiner Frau. Die folgenden Zitate stammen von den Goebbels-Biographen Manvell/Fraenkel und Heiber, von Hitlers Fahrer Kempka, von Reichsjugendführer Axmann, dem amerikanischen Schriftsteller Toland und dem sowjetischen Schriftsteller Rosanow. In fast allen Versionen ist von Schüssen die Rede. Die sowjetische Obduktionskommission jedoch hat an den zum Teil verkohlten Leichen, deren Schädel nicht zertrümmert waren, „keine sichtbaren Zeichen schwerer tödlicher Verletzungen“ feststellen können. In beiden Fällen aber fanden sie Splitter einer Giftkapsel im Munde (siehe ZEIT Nr. 31/68). Neben den Leichen lagen Pistolen.

Erich Kempka: „Schwägermann (Goebbels’ Adjutant), der bis zum Schluß bei Dr. Goebbels gewesen war, gab mir einen kurzen Bericht. Das Ehepaar Goebbels sei genauso aus dem Leben geschieden wie das Ehepaar Hitler. Der Minister habe sich erschossen, und Frau Magda Goebbels habe Gift genommen.“

German Rosanow: „Er hat nicht den Mut, sich eine Kugel in den Kopf zu schießen. Auf seinen Wunsch tötete ihn ein SS-Mann durch Genickschuß.“

John Toland: „Naumann, Schwägermann und Räch, Goebbels’Fahrer, standen wie angewurzelt, als die beiden auf der steilen Betontreppe verschwanden. Dann hörten sie einen Schuß und unmittelbar darauf einen zweiten. Schwägermann und Räch rannten die Stufen hoch und sahen das Ehepaar Goebbels am Boden liegen. Starr blickte ein SS-Mann auf die beiden hinunter; er hatte sie erschossen. Schwägermann, Räch lud der SS-Mann gossen aus vier Kanistern Benzin über die Leichen und zündeten es an.“

Helmut Heiber: „Der Adjutant, der Fahrer und ein namentlich nicht bekannter SS-Mann des Begleitkommandos treten ins Freie. Wenige Meter vor ihnen... liegt Joseph Goebbels, den Einschuß in der Schläfe. Und neben ihm liegt seine Frau, vergiftet. Beide Körper zeigen keine Bewegung mehr. Sicherheitshalber schießt der Soldat aber wie befohlen noch ein- oder zweimal auf die Leiche des Ministers.“

Arthur Axmann: „Frau Goebbels war völlig gefaßt. Kampfkommandant Mohnke küßte ihr die Hand. Sie sagte: ‚Herr Mohnke, unsere Kinder sind schon kleine Engelchen, wir folgen ihnen jetzt nach.‘ Dann bot ihr Dr. Goebbels seinen Arm. Sie faßte ihn unter. So stiegen sie die Bunkertreppe hinauf. Beide hielten in der Hand de Giftampulle. Adjutant Schwägermann folgte ihnen mit zwei Kanistern Benzin.“

Manvell/Fraenkel: „Naumann ... wußte, daß Magda das Gift einnehmen wollte, unmittelbar bevor ihr Mann sie erschießen würde. Und sie wußte auch, daß Goebbels seine Kapsel im selben Augenblick zerbeißen würde, da er sich selbst erschoß. Nach einer Zeit des Wartens fiel ein Schuß, dann nochmals zwei.“ (Quelle: Staatssekretär Naumann)