Bei der starken Frequenz und dem ungleichmäßigen Kolonnentempo überfüllter Autobahnen sind Auffahrunfälle am häufigsten. Besonders bei einem für das Kolonnefahren flotten Tempo von etwa 80 bis 100 halten die Fahrer zu wenig Abstand. Der Sicherheitsabstand, von der Polizei mit der halben Meterzahl der Geschwindigkeit in Kilometern fixiert („Halber Tacho“), wird deshalb nicht eingehalten, weil sofort einer von der Parallelfahrbahn in die vermeintlich bequeme Lücke schlüpft; denn ein Abstand von 50 Metern (bei Tempo 100) verführt geradezu, wenn sich nicht alle konsequent an das Gebot der Sicherheitsabstände halten. Es kann sich niemand damit verteidigen, daß er mit vier Scheibenbremsen viel kürzere Bremswege habe; denn das Gesetz der Masse ist unerbittlich: „Jede Kette ist so stark wie ihr schwächstes Glied.“

Im Raum Mannheim macht die Polizei Ernst. Sie hat kürzlich fast 200 Kraftfahrer angezeigt, die mit zu geringem Abstand fuhren. Ein Sonderverkehrszug der nordbadischen Landespolizei schoß Telephotos mit einer Spezial-Spiegelwinkelkamera nach vorher angebrachten Fahrbahnmarkierungen. Die Polizei war trotzdem nicht kleinlich und photographierte nur Autos, die weniger als die Hälfte des notwendigen Sicherheitsabstandes einhielten. Trotzdem hat sich ein Interessenverband eingeschaltet und den Fahrern empfohlen, gegen die Buße von 150 Mark Berufung einzulegen, da die polizeilichen Photobelege keine Beweiskraft hätten. EHO