DIE ZEIT

Wird Ulbricht nervös?

In der vorigen Woche wurden die Mitglieder der Volkskammer plötzlich aus dem Urlaub geholt, um in Ostberlin an einer Sondersitzung teilzunehmen.

Ohne Würde

Vier CDU- und zwei FDP-Abgeordnete waren auf Einladung einer englischen Public-Relations-Agentur, die von der griechischen Militärregierung zu Propagandazwecken engagiert wurde, Gäste des Athener Regimes.

Militärs gegen Diplomaten

Glaubt General Giap auch heute noch, was er früher geglaubt hat – und was er in seinen Büchern als unverbrüchliche Erfolgstheorie des Befreiungskrieges verkündete? Dies ist, so will es scheinen, gegenwärtig die vietnamesische Kardinalfrage.

Gewerkschaft Knast

Die Demokratisierung scheint auch vor den letzten Bastionen der Ordnung nicht mehr haltzumachen: Sie dringt jetzt in die Zuchthäuser und Gefängnisse ein.

ZEITSPIEGEL

„Es tut mir leid, dieses Mal sagen zu müssen, daß der Mann, der den Ministerpräsidenten Papadopoulos zu ermorden versuchte, kein Kommunist war, sondern ein Agent von Leuten mit faschistischen Bestrebungen.

Springers Freiheit - Pressefreiheit?

jene Kommission, vor einem Jahr von der Bundesregierung eingesetzt, hatte unter anderem die Aufgabe – mit dem Präsidenten des Bundeskartellamtes, Eberhard Günther, an der Spitze –, die Folgen der Konzentration im Pressewesen für die Meinungsfreiheit in der Bundesrepublik zu untersuchen.

Von den Toten auferstanden

Als Richard Nixon in diesem Sommer die zehn Vorwahlen, die er einsam und ohne erklärten Gegner aus der Republikanischen Partei führte, haushoch gewonnen hatte, zog er sich in sein New Yorker Refugium zurück.

Besuch der alten Herren

Tito, Ulbricht, Ceaucescu – bunter könnte die Reihe der Besucher kaum sein, die der Prager Parteichef Dubček innerhalb von acht Tagen empfing.

Erwin K. Scheuch: Vorwahlen – Ja

Wird an dem gegenwärtigen Verfahren zur Aufstellung von Kandidaten bei Wahlen nichts geändert, so wird sich der Charakter unserer Parteien rasch weiter ändern.

Die Sowjetunion als Weltpolizist

Man hätte in einer Zeit, in der Gewalt als Mittel der Außenpolitik ebenso sinnlos wie unzulässig geworden ist, ein offenes Bekenntnis zu solcher Gewalt und die Inanspruchnahme eines Rechtes zu deren beliebigem Gebrauch nicht mehr für möglich gehalten.

Theodor Eschenburg: Vorwahlen - Nein

Durch Vorwahlen wird die Art der Stimmenberechnung nicht geändert. Bei ihnen geht es allein um die Frage der Demokratisierung des Verfahrens der Kandidatenaufstellung.

Nelken zum Abschied

Bei den Weltjugendfestspielen in Sofia wurde der Bruch der sozialistischen Weltbewegung in drei große Blocks spektakulär vollzogen.

Bonbons, Löffelspeise, Spritze oder Kapsel

Die Aussagen des Zahnarztes Dr. Kunz über die Ermordung der Goebbels-Kinder scheinen der Wahrheit noch am nächsten zu kommen, wenn man sie mit den verschiedenen Versionen vergleicht, die wir im folgenden zitieren.

Mangels berechtigten Interesses...

Akteneinsicht kann nur gestattet werden bei Vorliegen und Glaubhaftmachung eines berechtigten Interesses. Ein solches Interesse hat die Antragstellerin jedoch nicht.

Nixons Sieg in Miami

Die Delegierten des republikanischen Konvents in Miami/USA nominierten in der vergangenen Woche den New Yorker Rechtsanwalt Richard Nixon im ersten Wahlgang zu ihrem Präsidentschaftskandidaten.

Wollten die Sowjets einmarschieren?

Mitte Juli waren die Sowjets drauf und dran, militärisch in der Tschechoslowakei zu intervenieren. Dies geht aus britischen, amerikanischen und jugoslawischen Presseberichten über die Hintergründe der Konferenz von Cierna hervor.

Total-Bombenstopp?

Der amerikanischeWahlkampf wirkt sich auch auf die Vietnam-Gespräche in Paris aus. Ein Vertreter Nordvietnams reagierte bereits äußerst scharf auf die Erklärungen des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Nixon zum Krieg in Vietnam, die er als ungenügend abtat.

„Luftkrieg“ gegen Algier

Israel kam über Nacht in den Besitz von zwei Düsenjägern des sowjetischen Typs Mig 17. Zwei syrische Piloten „verfranzten“ sich am Montagmorgen über israelisches Gebiet und wurden dort zur Landung gezwungen.

Von ZEIT zu ZEIT

Die bilateralen Besprechungen zwischen Prag und den orthodoxen Parteien des Ostblocks wurden überraschend mit einem Besuch Walter Ulbrichts in Karlsbad eröffnet.

Namen der Woche

Donald Fraser, US-Abgeordneter, fragte das Pentagon, ob es zu verantworten sei, mit Hilfe arsenhaltiger Sprühmittel in jenen Gebieten Südvietnams, die von der NLF kontrolliert werden, Jahr für Jahr die Reisernte zu vernichten.

Ojukwu: Kampf bis zum letzten Ibo

Die Friedensverhandlungen zwischen Biafra und Lagos, die in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba begonnen haben, waren nach einer Woche noch ohne Ergebnis geblieben.

Kuba in Europa

Feuerzeichen in den Pyrenäen: Das Baskenland im Nordwesten Spaniens steht anscheinend am Anfang eines neuen Unabhängigkeitskampfes gegen Madrid.

Zwerenz und die Schriftstellerverbände: Überaltert und provinziell?

Das Fernsehen brachte es an den Tag. Da nämlich sah sich der Schriftsteller Gerhard Zwerenz zum ersten Male Auge in Auge seinem Verband gegenüber, wenigstens einigen Mitgliedern desselben, die in der Sendung „Politik, Poeten und Proteste“ Ingeborg Drewitz (sie hatte den Verband in der ZEIT kritisiert) eine Art Schauprozeß zu machen suchten – sah sie und beschloß auf der Stelle auszutreten.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Richard Wagner: „Das Rheingold“; Fischer-Dieskau, Veasey, Kelemen, Wohlfahrt, Talvela, Ridderbusch, Mangelsdorff, Kerns, Grobe, Stolze, Dominguez, Donath, Moser, Reynolds, Berliner Philharmoniker, Leitung: Herbert von Karajan; Deutsche Grammophon Gesellschaft 104 966/68, 58,– DM, erscheint in Kürze.

ZEITMOSAIK

Die Absicht, daß der Mensch „glücklich“ sei, ist im Pian der „Schöpfung“ nicht enthalten. Was man im strengsten Sinne Glück heißt, entspringt der eher plötzlichen Befriedigung hoch aufgestauter Bedürfnisse und ist seiner Natur nach nur als episodisches Phänomen möglich.

Kunstkalender

Hansen hat für Hamburg und Altona ungefähr die gleiche Bedeutung wie Schinkel für Berlin. Alles, was sich hier an klassizistischer Architektur erhalten hat, beispielsweise die Palmaille, stammt von ihm.

Die beinahe mächtigen Maschinen

Während der kurzen Zeit, die das „Institute of Contemporary Arts“ in seinem neuen Domizil der Carlton House Terrace residiert, hat es schon einige Metamorphosen hinter sich: Es fungierte als Gruselkammer (mit der Eröffnungsausstellung „Das verfolgte Bild“), als Forum für revoltierende Studenten und jetzt, seit dem 2.

Anatomie einer Dreiundzwanzigjährigen

Erstens: Sie kommt den Gartenweg herauf – sie kommt unter lauten Rufen – nein, nicht jodelnd, es sind Rufe, wie man sie etwa unter Pfadfindern (nein: unter sozialistischen Wandervögeln) zu hören bekommt, wenn zwischen Kopf und Nachhut des aufgelockerten Fähnleins die Wanderverbindung aufrechterhalten sein will, „beim Marterl den Weg nach links“ – so etwa.

Klage des Einwanderungsbeamten

„Es ist kein Wunder“, erwidert er. „Wir wollen hier ein neues Land machen. Felder warten, Wälder ungerodet, aber unserem Aufruf folgen nur Krüppel.

ZU EMPFEHLEN

ES ENTHÄLT die lyrischen und essayistischen Texte, die von Lars Gustafsson, Yves Bonnefoy, Peter Rühmkorf, Vasko Popa, Miodrag Pavlovic, Tadeusz Rózewicz, Zbigniew Herbert, Charles Olson, Edoardo Sanguinetti, Robert Creeiey, Günter Grass, Miroslav Holub, Josef Hanslík, Hans Carl Artmann, Friederike Mayröcker, Ernst Jandl, Lawrence Ferlinghetti, Andrej Wosnessenskij, Francis Ponge und Helmut Heißenbüttel auf der gleichnamigen Veranstaltungsreihe des Berliner Literarischen Colloquiums im Winter 1966/67 vorgetragen wurden, sowie die von Günter Kunert, der sie nicht selber vortragen konnte, weil er die Erlaubnis zur Reise von Ost- nach Westberlin nicht erhielt, nebst hübschen Photos der Autoren, belichtet von Renate von Mangoldt.

Ekstasen unserer Großeltern

Die Mode ist wieder zur Mode geworden: Der Jugendstil hat sich mit dem Beat verschwistert, seine Serpentinen laufen über Miniröcke, und die Teenager hängen nicht mehr Pechstein, Braque und Otto Müller an die Wand, sondern Aubrey Beardsley.

Porträt eines Zeitschriftstellers

Wir haben nach 1945 nicht nur einige mögliche Anfänge verpaßt, sondern auch den Anschluß an einige mögliche Traditionen. Pädagogik und Politik, politische Pädagogik und praktische Geschichtslehre haben gewisse geistesgeschichtliche Grundlinien, in denen sich revolutionäre Veränderungen und Fortschritte, Ansätze einer deutschen Demokratie schon vor 1945, ja vor 1919 abzeichneten, zu wenig in den Blick bekommen und ihre repräsentativen Erscheinungen, bis zurück zum Bauernkrieg, einfach der „anderen Seite“ überlassen, wo sie natürlich verhunzt wurden.

Kämpfer für den Frieden

Sicher hatte Erich Schairer recht, als er meinte, es gebe zu viele Memoiren, aber er hatte unrecht, daß er nicht selbst berichtete, was er in seinem ereignisreichen Leben erfahren hatte.

1970-Jahr der Krise?

Diese Sammlung von Abhandlungen hat der Autor, Professor für Völkerrecht, geschrieben, ehe der 1951 abgeschlossene japanisch-amerikanische Sicherheitsgarantievertrag nach zehn Jahren erneuert wurde.

Vierfaches Leben

Der Mann, der sich „Weggenosse des Jahrhunderts“ nennt (er wurde 1899 geboren), ist sehr vermögend und einflußreich. Aber seine Geltung kommt keineswegs allein aus seinem Reichtum.

Fernsehen: Am Rande ein Mord

Ein Versuch war das, ein formal interessantes Experiment, mit dessen Hilfe ein Ort – das Städtchen Ascona – sich jenseits aller Kulturfilm-Schematik, ohne Holzfäller, Silberwellen und Agaven im Mondlicht, darstellen sollte.

Notabene Werner Herzog

Werner Herzog, dessen Streifen „Lebenszeichen“ inzwischen in den Kinos der Bundesrepublik angelaufen ist, wurde am 5. September 1942 in München geboren, wo Herzog (eigentlich Kaiser) 1961 das Abitur machte.

FILMTIPS

„Das Gold von Sam Cooper“, von Lucio Fulci. Ein Film für Voyeure: Welcher Mann ist die Frau, wer hat es mit wem; Colts, Colts; eine Montage vereint die zwei und zwei Goldsucher sogar offensichtlich zu einer Kopulation.

Janssen als Theaterversucher

Über das bestürzende Gefühl, nichts zu fühlen, wenn in diesen Wochen an den Litfaßsäulen statt der gewohnten Theaterpläne und Vorankündigungen das Wort „Theaterferien“ prangt, schrieb hier in der vergangenen Woche Horst Krüger.

Die Geldmacher vom Genfer See

Freimütig, wie es die Art amerikanischer Manager ist, meinte Dr. Werner Kunkler lachend: "Wir haben alle das gleiche Ziel, nämlich viel Geld zu verdienen.

Wer kontrolliert die Manager?

In der nächsten Woche wird Essen die wahrscheinlich turbulenteste Hauptversammlung seit Kriegsende erleben. Die Aktionäre der Rheinischen Stahlwerke werden Aufschluß darüber verlangen, wie dieses noch vor wenigen Jahren prosperierende Unternehmen in kurzer Zeit an den Rand der Pleite geführt werden konnte.

Was soll’s?

Nun wissen wir endlich, was gegen die „bedauerliche“ Obstschwemme zu tun ist, die seit Wochen die Gemüter erregt. Auf Betreiben der Obsterzeuger will die Regierung unsere Grenzen für die Einfuhr von Äpfeln, Pflaumen und Zwetschgen in der Haupterntezeit schließen.

Solidarisch

Die Freude und Genugtuung, die man in Prag – und nicht nur dort – über die bisherigen Erfolge in der politischen Konfrontation mit der Sowjetunion empfindet, kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß sich die Tschechoslowakei in einer schweren wirtschaftlichen Krise befindet, aus der sie ohne fremde Hilfe schwerlich herausfinden wird.

Hilfe für USA

Die Mark hat das englische Pfund von seinem Platz als zweitwichtigste Anleihewährung der Welt nach dem Dollar verdrängt. In den letzten acht Monaten betrug das Volumen öffentlicher und nichtöffentlicher Mark-Auslandsanleihen rund 2,5 Milliarden.

+ Weitere Artikel anzeigen