Agathe Kunze geb. Schairer: „Erich Schairer zum Gedächtnis“; Verlag Turmhaus GmbH, Stuttgart; 191 Seiten, 10 DM.

Sicher hatte Erich Schairer recht, als er meinte, es gebe zu viele Memoiren, aber er hatte unrecht, daß er nicht selbst berichtete, was er in seinem ereignisreichen Leben erfahren hatte. Nun hat seine Tochter zu seinem Gedächtnis veröffentlicht, was Freunde über den Vater geschrieben haben, aus dem Nachlaß des Vaters und aus seinen sehr zahlreichen Arbeiten ausgewählt und ihn selbst über Menschen seiner Zeit sprechen lassen. Das wurde ein reicher Inhalt. Denn Erich Schairer hat eine turbulente Zeit durchlebt (1887–1956) und an ihr mitgewebt, grob und, wenn es sinnvoll schien, auch zart, in der Liebe zum Volke bisweilen zärtlich.

Er wurde Vikar der Evangelischen Kirche und verließ die Kirche. Er war Redakteur namhafter Zeitungen und Zeitschriften und wurde Sekretär von Friedrich Naumann. Er gab die „Sonntags-Zeitung“ in Heilbronn heraus (als junge Menschen lasen wir sie mit Anteilnahme und schrieben zustimmende und kritische Leserbriefe an sie) und wurde von den Nazis gezwungen, sie abzugeben. Er wurde Reichsbahngehilfe in Lindau und war dann wieder Mitherausgeber der „Stuttgarter Zeitung“ – dies nach dem zweiten Krieg, den er, der Kämpfer für den Frieden, mit Bitterkeit und in harter Ablehnung durchstand.

Fritz Sänger