Die Delegierten des republikanischen Konvents in Miami/USA nominierten in der vergangenen Woche den New Yorker Rechtsanwalt Richard Nixon im ersten Wahlgang zu ihrem Präsidentschaftskandidaten. Sein Comeback war ungewöhnlich, da er, seit seiner Niederlage gegen Kennedy im Jahre 1960 und dem Debakel bei den Gouverneurswahlen in Kalifornien, als typischer Pechvogel galt.

Nixon siegte mit den Stimmen der Parteifunktionäre, der Delegierten der Südstaaten und der Grenzstaaten. Er konnte nicht die Unterstitzung der großen Industriestaaten gewinnen. Zum Vizepräsidentschaftskandidaten wählte der Konvent auf Nixons Vorschlag den bis dahin weithin unbekannten Gouverneur von Maryland, Spiro T. Agnew.

Agnew hatte zu Beginn des Wahlkampfes Nelson Rockefellers Kandidatur unterstützt. Seine starre Haltung während der letzten Unruhen, stempelte ihn zum Gegner der Bürgerrechtsbewegung.

In seiner Rede nach der Nominierung bezeichnete Nixon ein ehrenhaftes Ende des Vietnamkrieges als seine außenpolitische Hauptaufgabe. Die von ihm angekündigte Politik der Freundschaft zu allen Völkern sollte jedoch von einem militärisch starken Amerika betrieben werden.

Nixons Chancen gegen einen demokra tischen Kandidaten bei den Wahlen in November können davon abhängen, ob ihm der Einbruch in die – traditionell demokratischen – Industriestaaten gelingt. Seine letzten Äußerungen lasse jedoch eher vermuten, daß er statt dessen mit den Stimmen der Südstaaten den Sieg erringen will.

Auf dem Parteikonvent der Demokrateil, der am 26. August in Chicago beginnt, werden sich – neben Hubert Humphrey und Eugene McCarthy – noch zwei Kandidaten zur Wahl stellen.

  • George McGovern, Gouverneur von Süd-Dakota; er hofft auf die Stimmen der Anhänger seines ermordeten Freundes Robert Kennedy;
  • Lester Maddox, Gouverneur von Georgia, ein Vertreter der reaktionären Südstaaten-Demokraten; er wurde bekannt, als er Neger mit Waffengewalt am Betreten seines Nachtklubs hinderte.