Die Friedensverhandlungen zwischen Biafra und Lagos, die in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba begonnen haben, waren nach einer Woche noch ohne Ergebnis geblieben. Biafra beharrte trotz seiner militärischen Niederlagen darauf, daß die Zentralregierung die abgefallene Ostregion als souveränen und unabhängigen. Staat anerkennt. Demgegenüber die Bedingung der Zentralregierung: Verzicht Biafras auf die Sezession. Im Laufe der Verhandlungen, die zum Teil unter Vorsitz von Kaiser Haile Selassie stattfinden, bot Lagos an:

  • eine internationale Polizeitruppe (Äthiopien, Indien, Kanada) soll den Schutz der Ostregion übernehmen;
  • die nigerianische Armee wird das restliche Gebiet Biafras nicht besetzen;
  • der Central East State (das eigentliche Iboland, der größte Teil Biafras) soll, wie die anderen Staaten der nigerianischen Föderation, von einem Exekutivkomitee und einem Gouverneur regiert werden. Das Komitee soll zur Hälfte aus noch in Lagos tätigen Ibos und zur Hälfte aus Biafra-Ibos zusammengesetzt sein;
  • zur Beratung der neuen zukünftigen Verfassung soll eine Versammlung einberufen werden, an der die Ibos, wie alle anderen ethnischen Gruppen der Föderation, proportional vertreten sein sollen.

Die biafranische Friedensdelegation, an deren Spitze zu Beginn Rebellenführer Ojukwu selbst stand, lehnte die Vorschläge ab. Für sie ist Nigeria als Staat ein künstliches Gebilde, geschaffen von den Kolonialmächten, ohne politische Lebensfähigkeit. Ojukwu: „Der Pogrom von 1966 (bei dem im Norden des Landes 30 000 Ibos umgebracht wurden) hat jeden Willen abgetötet, diese prekäre und unhumane Assoziation, genannt Nigeria, zu erhalten ... Einheit ist für die Lebenden, nicht für die Toten. Gowon (Chef der Militärregierung in Logos) will aber, daß nur noch tote Ibos übrigbleiben.“

Während die Unterhändler trotz der mahnenden Worte des kaiserlichen Maklers Haile Selassie („Sie müssen Erfolg haben, es gibt keine Alternativen“) nicht vorankamen, starben weiterhin täglich Hunderte von biafranischen Kindern den Hungertod. Die zahllosen im Westen angelaufenen Aktionen brachten keine wirksame Hilfe, da es kaum Möglichkeiten gibt, Lebensmittel und Medikamente nach Biafra hereinzubringen, ganz abgesehen davon, daß Ojukwu lieber Maschinengewehre als Milchpulver bezieht.

Die Einrichtung eines Landkorridors, auf dem die notwendigsten Überlebensmittel eingefahren werden könnten, scheiterte am Widerstand Biafras, das fürchtet, ein solcher Korridor könnte von Lagos zu. Aufmarschzwecken benutzt werden. Die Einrichtung eines Luftkorridors scheiterte an Lagos, das fürchtet, nicht nur Lebensmittel, sondern auch Waffen würden, nach Biafra eingeflogen werden.

Das Rote Kreuz stellte seine Flüge mit einer von der Schweiz gecharterten Maschine zunächst ein, weil diese von den nigerianischen Truppen unter Beschuß genommen worden war. Die Truppen waren nicht in der Lage, diese Maschine (sie ist mit einem roten Kreuz versehen) von anderen zu unterscheiden, die auch Lebensmittel nach Biafra einfliegen, aber außerdem Waffen an Bord haben, wie beispielsweise die Flugzeuge des Deutsch-Amerikaners Henry Warton, der für karitative Organisationen nach Biafra fliegt. Sein Preis: 12 000 Dollar für einen Flug. Im halben Dutzend billiger: 60 000 Dollar.