Für festverzinsliche Papiere wächst die Nachfrage. Der leichte Zinsdruck auf den Kapitalmärkten der Welt beseitigt die vielerorts bisher zu beobachtende Zurückhaltung. In der Bundesrepublik haben zahlreiche Wertpapiersparer damit begonnen, ihre auf den Aktienmärkten erzielten beträchtlichen Kursgewinne zu realisieren und die Verkaufserlöse am Rentenmarkt anzulegen. Ob diese Leute durch ein Hinüberwechseln von Aktien in Renten nicht noch mögliche weitere Kursgewinne bei den Aktien verschenken, steht auf einem anderen Blatt. Auf alle Fälle ist der Wunsch verständlich, nicht noch einmal – wie nach 1960 – mit den Aktien in den „tiefen Keller“ zu gehen, sondern rechtzeitig auszusteigen.

Nun, das ist Temperamentssache, meine verehrten Leser. Ich glaube, daß ein rascher Verkauf deutscher Aktien vorerst noch nicht notwendig ist, daß aber diejenigen Aktienbesitzer, die ihre Aktien nicht als Daueranlage ansehen, sich allmählich aus Papieren mit engem Markt zurückziehen sollten, weil sich solche Werte bei einem echten Tendenzwechsel nur unter beträchtlichen Verlusten abstoßen lassen. Eine Tendenzwende am deutschen Aktienmarkt vermag ich noch nicht zu erkennen.

Wer aber – aus welchen Gründen auch immer – Mittel für den Erwerb festverzinslicher Papiere vorgesehen hat, sollte mit dem Kauf nicht mehr länger zögern. Wenn nicht alles täuscht, sind die Tage des 6 1/2prozentigen Typs in der Bundesrepublik gezählt. Sie werden, meine verehrten Leser, sicher gelesen haben, daß die 6 1/2prozentige Weltbank-Anleihe schon vor ihrem offiziellen Zeichnungstermin über ihrem Zeichnungskurs von 100 Prozent gehandelt worden ist. Ihre Konditionen waren eigentlich nicht mehr marktgerecht.

Auf meine Frage, warum nicht schon mit der Weltbank-Anleihe der Übergang zum Sechsprozenter vollzogen worden ist, antworteten mir die deutschen Unterzeichner der Emission: „Ein ausländischer Emittent soll nicht zum Vorreiter des neuen Typs werden. Das muß einer Bundesanleihe, einer guten Industrieanleihe oder einer Emission der Kreditanstalt für Wiederaufbau vorbehalten bleiben.“ Bis es dazu kommt, dürften noch einige weitere DM-Auslandsanleihen angeboten werden. Wer sich für einen hohen Nominalzinssatz interessiert, wird hier noch eine günstige Anlage finden. Zu beachten ist allerdings, daß DM-Auslandsanleihen nicht im Rahmen des Sparprämiengesetzes und auch nicht unter Inanspruchnahme des 312-Mark-Gesetzes erworben werden können. Dafür sind Auslandsanleihen aber von der Kuponsteuer befreit, die die Zinserträge von „Gebietsfremden“ mit 25 Prozent belastet. ZEIT-Leser, die ihren Wohnsitz im Ausland haben, erwerben deshalb zweckmäßigerweise DM-Auslandsanleihen. Bei ihnen werden die Zinsen voll ausgezahlt. Auslandsleser, die sich nicht auf eine bestimmte Anleihe festlegen möchten, können die Kuponsteuer umgehen, wenn sie Zertifikate deutscher Rentenfonds erwerben. Ihre Ausschüttungen erfolgen ohne Vorabzug.

Wir haben eine ähnliche Situation wie vor einem Jahr. Damals zeichnete sich der Übergang vom sieben- zum sechseinhalbprozentigen Rententyp ab. Zwar gab es danach noch einige Monate, während der der Sechseinhalbprozenter nur mit kräftigen Hilfsmaßnahmen der Bundesbank am Leben gehalten werden konnte. Im großen und ganzen war es aber richtig, sich auf die letzten Siebenprozenter zu stürzen, die heute natürlich über 100 Prozent notiert werden. Damals riet ich Ihnen, mit dem Abschluß prämienbegünstigter Wertpapiersparverträge nicht bis zum Jahresende zu warten, sondern sich schon früher um diese Dinge zu kümmern. Ich glaube, das ist auch heute wieder richtig, abgesehen davon, daß sich am Jahresende an den Bankschaltern immer eine gewisse Drängelei vollzieht. Heute wird der Anleger noch besser beraten.

Nun werden Sie mir entgegenhalten, daß neue 6 1/2prozentige Anleihen deutscher Emittenten doch kaum noch aufgelegt werden, also überhaupt nicht erhältlich sind. Das ist jedoch kein Argument, denn jedes Rentenpapier läßt sich zum jeweiligen Börsenkurs erwerben, und ein möglichst hoher Nominalzinssatz ist durchaus nicht immer für jeden Anleger das richtige. Ausschlaggebend bei der Rentenanlage ist stets die Rendite unter Berücksichtigung der Einkommensteuer. Ich weiß, meine verehrten Leser, daß diese Feststellung für die meisten von Ihnen nichts Neues darstellt. Wenn ich mich hier wiederhole, dann wegen der vielen Wertpapierinteressenten, die jetzt erstmals an den Erwerb von Rentenpapieren denken.

Wer zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung verpflichtet ist, muß die Zinserträgnisse aus festverzinslichen Papieren (genau wie die der Sparkonten) als Einkommen versteuern, abzüglich 150 Mark Werbungskostenpauschale für Ledige oder 300 Mark für Verheiratete. Da aber die Differenz zwischen dem Kauf- und Tilgungskurs bei festverzinslichen Papieren steuerfrei vereinnahmt werden kann, ist es für viele nützlicher, alte 5prozentige Rentenwerte zu erwerben. Fünfprozentige Pfandbriefe sind noch teilweise zu 82 Prozent erhältlich. Soll deren Kauf im Rahmen des prämienbegünstigten Sparens erfolgen, so ist darauf zu achten, daß eine Tilgung vor Ablauf der fünfjährigen Sperre nicht möglich ist. Sechsprozentige Pfandbriefe sind inzwischen auf 95 Prozent gestiegen, 6 1/2prozentige auf 100 Prozent.