Die Freude und Genugtuung, die man in Prag – und nicht nur dort – über die bisherigen Erfolge in der politischen Konfrontation mit der Sowjetunion empfindet, kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß sich die Tschechoslowakei in einer schweren wirtschaftlichen Krise befindet, aus der sie ohne fremde Hilfe schwerlich herausfinden wird. Die Produktion ist aus dem Takt geraten und in der Staatskasse klafft ein gewaltiges Loch. Das Defizit beträgt etwa 5,1 Milliarden Kronen (nach offiziellem Kurs 2,8 Milliarden Mark).

Wie Radio Prag meldete, haben sich die Bürger der Tschechoslowakei zur Abwendung des drohenden Staatsbankrotts spontan zu einer Geld- und Sachspendenaktion bereitgefunden. Nach den bisherigen Einzahlungen besteht die Aussicht, daß das Haushaltsdefizit auf diese Weise beträchtlich verringert werden kann. Die Solidarität der Tschechen und Slowaken mit ihrer neuen Staatsführung scheint tatsächlich noch größer als die Berichte der letzten Wochen ohnedies schon vermuten ließen.

Nach den jüngsten Ereignissen an der Moldau hätten wir demnach nicht nur unser, ach, so liebgewordenes Vorurteil von der Unvereinbarkeit von Freiheit und Sozialismus zu revidieren, sondern auch unsere Vorstellung vom staatsverdrossenen Schwejk. b.