Nun wissen wir endlich, was gegen die „bedauerliche“ Obstschwemme zu tun ist, die seit Wochen die Gemüter erregt. Auf Betreiben der Obsterzeuger will die Regierung unsere Grenzen für die Einfuhr von Äpfeln, Pflaumen und Zwetschgen in der Haupterntezeit schließen. Doch läßt sich dieser Einfuhrstopp keinesfalls gegenüber Importen aus den EWG-Ländern praktizieren. Das widerspräche den Vereinbarungen. Es bleiben vor allem die Ostblockländer als geeignete Objekte dieser Obstmarktpolitik übrig.

Auf Bonner Drängen erklärten sie sich bereit, für August ihre Lieferungen einzustellen. Ließe sich auf diese Weise das Überangebot am deutschen Obstmarkt beseitigen, so gäbe es trotz einiger Bedenken für diesen Schritt eine gewisse Rechtfertigung.

Doch die aus Osteuropa importierten Mengen (im vergangenen Jahr 61 000 Tonnen von insgesamt über drei Millionen Tonnen) sind so gering, daß sie den deutschen Markt nicht ernsthaft stören können – worauf die Vertreter jener Länder denn auch promt hinwiesen. Selbstverständlich wissen das auch die Obstanbauer. Das Ganze ist also nichts als Augenwischerei, die dazu noch das Klima im Osthandel verschlechtert. ks.