Mitte Juli waren die Sowjets drauf und dran, militärisch in der Tschechoslowakei zu intervenieren. Dies geht aus britischen, amerikanischen und jugoslawischen Presseberichten über die Hintergründe der Konferenz von Cierna hervor.

Auftakt für den Einmarsch sollte die TASS-Meldung sein, daß in Westböhmen ein Versteck mit westlichen Waffen entdeckt worden sei. Nach dem offiziellen Untersuchungsbericht blieb unklar, wer die Waffen versteckt hat. Es heißt, die Säcke, in denen die Waffen verpackt waren, seien dieselben, die in Moskauer Kaufhäusern verkauft werden. Zudem seien sie mit einem Farbmittel aus der DDR getarnt worden.

Die Sowjets rechneten offensichtlich mit einem Aufstand konservativer tschechischer Kommunisten, der ihnen einen Vorwand zum Eingreifen gegeben hätte. Angeblich war auch ein Teil der Volksarmee in der DDR mobilisiert. In letzter Minute jedoch fanden gemäßigte Elemente in der sowjetischen Führung den Ausweg einer Konferenz in Cierna.

Die Konferenz sollte zunächst nur einen Tag dauern, zog sich jedoch in die Länge, weil beide Seiten unerbittlich auf ihren Positionen beharrten. Am dritten Tage wäre es beinahe zum Bruch gekommen: Der ukrainische Parteisekretär Schelest fuhr grobes Geschütz gegen die Prager Politiker auf. Darauf hielt Dub-ček den Sowjets ihr Sündenregister vor und verließ dann den Verhandlungssaal.

Überraschenderweise war es dann der sowjetische Chefideologe Suslow, der als erster für die tschechischen Reformer Verständnis aufbrachte und den Prager Kommunisten vorschlug, das Vergangene zu vergessen und einen Kompromiß zu suchen.

Der sowjetische KP-Generalsekretär Breschnjew soll entschlossen gewesen sein, kraft seiner größeren physischen Stärke seinen Gegenspieler Dubček, der nach den wochenlangen Belastungen dem Zusammenbruch nahe war, in den Sitzungen allmählich zu zermürben. Vergebens wartete er jedoch während der Konferenz auf eine Spaltung innerhalb der tschechoslowakischen Delegation oder auf einen Aufstand der Anhänger Novotnys in Prag.

Schließlich wurde der Sowjetführer magenkrank. Zur gleichen Zeit, so heißt es in den Berichten, drohten auch Dubček die Nerven zu versagen. Dubček soll es gewesen sein, der dann zu Fuß den kranken Breschnjew aufsuchte und das Verhandlungsklima auflockerte.